AGARICUS MUSCARIUS

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Agaricus muscarius

Lateinische Bezeichnung Kürzel Deutsche Bezeichnung Geprüft durch: Familie Agaricus muscarius Amantia muscaria agar. Fliegenpilz

HAB I Vorschrift: 3a

Verwendet wird der frische Fruchtkörper

"Kleine Mengen genügen oft schon zur Vergiftung."

"Genesung kann nach 5-24 Stunden erfolgen."

"Tod kann nach Genuß von 4 frischen Fliegenpilzen eintreten." LBH Schreter und E. Stapf 1828

Hahnemann prüfte Agaricus 1830 mit 12 Personen und führte 715 Symptome auf HC

Apelt 1831

Hartlaub zitiert Woost und Seidel 1831

Die österreichiche Prüfungsgesellschaft unter Prof. v. Zlatarowich prüfte Agaricus an 18 Personen Österreichische Zeitschrift für Homöopathie1863 OHZ

Allen zitiert 48 Prüfer sowie viele, eindeutige, Vergiftungssymptome. Er führt 2496 Symptome auf. Amanitaceae



THEMA "Gradual onset. Many symptoms (Tub.). IRREGULAR, ANGULAR, UNCERTAIN AND EXAGGERATED MOTIONS (Ign.); he reaches too far, staggers or steps too high, drops things, etc." BgS ---

SCHLÜSSELSYMPTOME nach BOGER

REGION

  • RÜCKENMARK
    • HINTERKOPF.
    • NERVEN.
    • Lumbalregion.

Peristaltik.

Herz. Kreislauf.

Atmung. Brust.


SCHLECHTER

  • Luft.
    • KALTE. EISIGE.
    • FRISCHE. Sturm.
  • Erschöpfung
    • Geistige. Koistus.
    • Ausschweifung.

Alkohol. Druck. Berührung.
Morgens. Während Menses.


BESSER

Gleichmäßige Bewegung.


Allmählicher Beginn. Vielerlei Symptome (tub.). UNREGELMÄSSIGE, {KANTIGE,] UNSICHERE UND ÜBERTRIBENE BEWEGUNGEN (Ign:); er macht zu große Schritte, taumelt oder tritt zu hoch, lässt Dinge fallen, usw. ZITTERN, ZUCKEN, RUCKEN oder fibrillierende Spasmen; hier und dort; < AUGENLIDER oder Zunge. Schaudern. Nervös und ruhelos. Cholera. Wie kalte Nadeln, ein kalter Tropfen oder ein Gewicht auf den Körperteilen. [Schmerzhaftes Zucken, dann sind Körperteile steif und kalt.]
Ausgelassenes Gemüt oder dumpf und benommen; wie betrunken. Dreht den Kopf hin und her. Kopfschmerz, > nach Stuhl oder Urin. Oszillierende Augäpfel. Augenbutter in den Canthi. Mouches Volantes. Mundwinkel haängen herab. Gefühl wie von einem Klumpen im Epigastrium. Knurren und Gärung in den Gedärmen. Heißer Flatus oder Samen; kalter Urin. Vereinzelte Hustenanfälle, dann Niesen; als käme es von der Wirbelsäule; leichter Auswurf von flockigen Schleimklümpchen. Undeutliche, ruckartige Sprache. Herzklopfen während Koitus; danach niedergeschlagen. Vorzeitige Ejakulation. Druck oder brennendes Stechen vom Herze zum li. Schulterbaltt. Angina pectoris, übermäßiger Schmerz. Metastasen durch unterdrückten Milchfluss. [Einzelne Wirbel empfindlich gegenüber Hitze.] Wirbelsäule empfindlich, < Druck [oder Berührung]; Schießen, Brennen enrlang der Wirbelsaäule; Mudkeln wie zu kurz (Sulph.), < Bücken; Steifheit. Ruhelose Arme. BRENNENDES JUCKEN (Apis.), DER HAUT; WIE ERFROREN; wechselt beim Kratzen den Ort. Haut schmerzt, wenn kalt. Frostbeulen. Gähnen; vor Schmerzen oder Krämpfen; als ein Brgleitsymptom. Fröstelt oder schwitzt leicht. Schweiße an abwechselnden Seiten. Nachtschweiße. [Jucken, an den betroffenen Teilen. Kalte Gesäßbacken.]

Komplementär: CALCIUM CARBONICUM

Verwandt: PHYSOSTIGMA VENENOSA, TUBERCULINUM

Antidote: COFFEA, PULSATILLA PRATENSIS

ALLGEMEINES

Das Gift des Fliegenpilzes wirkt neurotoxisch auf das zentrale und periphere Nervensystem. Im Giftwirkung wird im wesentlichen durch die Wirkstoffe Muskimol und Muscarin beherrscht.

   * Das Zentralnervensystem wird durch Muskimol beinflußt, welches die Bluthirnschranke passiert und stark psychomimetisch wirkt; ähnlich übermäßigem Alkoholkonsum. Die Gemütsstimmung wird veränderlich, heiter, erregt, verwirrt, reizbar und zornig. Es entwickelt sich ein ekstatischer, rauschartiger Zustand mit ausgesprochener Geschwätzigkeit, Singen, Schreien, Juchzen und gleichzeitiger Nichtansprechbarkeit auf die an ihn gerichteten Anrufe und Fragen. Bei starken Vergiftungen nimmt die Reizbarkeit bis zum Wahnsinn zu, und es kommt zu Wutanfällen und deliranter Tobsucht. Auffällig ist eine Neigung zu rhythmischen Bewegungen und Gliederverrenkungen, die mit großer Leichtigkeit stattfinden und sich zu epileptiformen, choreatischen Krampfanfällen mit klonischen Zuckungen steigern. In dieser Phase besteht eine unnatürliche Steigerung der Muskelkraft. Nach dieser Hochphase entwickelt sich zügig ein Stadium der Depression mit Absinken sämtlicher Funktionsenergie, großer Schwäche und Mattigkeit sowie Koordinationsstörungen der willkürlichen Muskulatur. Das Unvermögen sicherer Bewegungen äußert sich durch Fallenlassen von Gegenständen, Zittern der Glieder, rauschartigem Taumeln, Hin- und Herbewegen des Kopfes, Sprach- und Schreibstörungen. Typisch sind ataktische Bewegungen beim Schreiben und Treppabgehen. "Gegenstände erscheinen viel zu groß. Bei Sibiriaken wurde beobachtet, daß sie über kleine Gegenstände mit hohen Schritten steigen, als wären es Baumstämme. Eine kleine Vertiefung erscheint wie ein schrecklicher Abgrund, ein Teelöffel Wasser wie ein riesiger See." MzM
   * Das Parasympathikomimetikum Muscarin wirkt auf die sekretorischen und motorischen Endfasern cholinerger vegetativer Nerven und somit auf die Endigungen des Parasympathikus sowie auf die Schweißdrüsennerven des Sympathikus. Typisch ist die Sekretionssteigerung des exokrinen Pankreasanteils, der Gallenblase sowie aller echten Drüsen. An den Hohlorganen, wie Bronchien und Bronchiolen, Ösophagus, Magen und Darm führen spastische Kontraktionen zu Bronchialmuskelkrämpfen und gesteigerter Peristaltik des Magen-Darmtraktes. Hier treten Koliken und Tenesmen auf, die durch den Abgang von Stuhl und Blähungen gebessert werden. Durch die Erweiterung der Blutgefäße in der Peripherie sinkt der Blutdruck, das Herz schlägt anfangs bradycard, dann unregelmäßig und frequent. In schweren Vergiftungsfällen kollabiert der Kreislauf unter kalten, klebrigen Schweißen, und das Herz bleibt in der Diastole stehen. 

Koordinationsstörungen und Krämpfe sowie nachfolgende lähmige Schwäche der willkürlichen und unwillkürlichen Muskulatur sind charakteristische Symptome der Fliegenpilzwirkung. Darüberhinaus äußern sich Störungen nervöser Impulse auf der Haut. Infolge der gestörten nervösen Beeinflussung des Kapillarsystems kommt es zu generalisierter oder partieller Kälteempfindlichkeit und Paraesthesien der Haut. Ameisenlaufen, Kribbeln, Prickeln und feinstechende Empfindungen, wie von heißen oder kalten Nadeln stellt sich ein (vgl.sec.), fleckigen Hautrötungen, die Erfrierungen oder Verbrennungen ähneln.

MODALITAETEN Verschlimmert durch: Kälte. Frost. Frische kalte Luft. Rauhreif. Naßkaltes und schwüles Wetter. Vor und während Gewitter. Sonne. Geistige Anstrengung. Koitus. Ausschweifungen. Alkohol. Tabak. Nach dem Essen. Berührung. Druck auf die Wirbelsäule. Morgens. Während Menses. Furcht.

Gebessert durch: Leichte Bewegung. Stuhl- und Harnabgang. Schlaf (Zuckungen).

GEMUET Geschwätzigkeit; singt, trällert, redet zusammenhanglos und wechselt dauernd das Thema. Trägt Gedichte vor. Proklamiert. Prophezeit Dinge. Albernes Benehmen; küsst Hände. Reagiert nicht auf die an ihn gerichteten Fragen. Mürrisch, egoistisch und teilnahmslos. Verwirrt; wie betrunken. Gedächtnisschwäche; findet nicht die richtigen Worte. Abneigung gegen Arbeit; insbesondere geistige Arbeit. Apathie und Benomenheit. Furcht. "Nervöse Überlebendigkeit der Kinder mit psychischer und motorischer Unruhe, lacht, singt, tanzt und rennt ausgelassen umher. Verlangsamte und späte Entwicklung der Kinder (spätes Sprechen- und Gehenlernen, ungeschickte Bewegung.)" MzM "Das Hirn scheint spät entwickelt. Kinder lernen spät Laufen und Sprechen; das entspricht einer Kombination der Mittelbilder von zwei andern Arzneien: Natrium muriaticum (spätes Sprechen) und Calcarea carbonica (spätes Laufen). Bei Calcarea kommt das von einer Schwäche der Knochen, bei Agaricus von einem geistigen Gebrechen, einer Entwicklungshemmung des Verstandes."KMD

KOPF Schwindel wie durch Alkohol, < durch Sonne. Dumpfe, drückende Kopfschmerzen > durch Stuhl und Harnabgang. Kopfschmerzen mit Nasenbluten. Kopfschmerzen mit dem Gefühl von Eiseskälte unter der Haut. Unwillkürliche Bewegungen des Kopfes; vor und zurück, Rollen des Kopfes. Krämpfe der Kopf- und Nackenmuskulatur."Throbbing, beating cephlagie, with a sensation of stiffness of muscles of face." HeG

AUGEN Verschwommenes Sehen; beim Lesen verschwimmen die Buchstaben < durch Lesen bei künstlichem Licht. Akkomodationsschwäche der inneren Augenmuskeln. Diplopie. Kurzsichtigkeit. Sehschwäche. Ruckende Bewegungen der Augäpfel. Nystagmus. Erweiterte oder verengte Pupillen. Druck und Schweregefühl der Augen. Jucken und Brennen wie bei Konjunktivitis. Krampfhaftes Schließen und Fibrillieren der Augenlider. Augenlider brennend, dick und trocken.

OHREN "Redness, burning itching of ears, as if they had been frozen." HeG Ohrensausen. Schwerhörigkeit und Taubheit; scharfes Gehör. Reißende Schmerzen des äußeren Gehörgangs.

NASE Röte der Nase. "Chronic inflammation of external nose." HeG Trockene, empfindliche Schleimhäute. Geschwürs- und Schorfbildung. Wässrige Absonderungen ohne Schnupfen. Blutige schleimige Absonderugen. Nasenbluten alter Menschen. Verstopfung der Nase < durch Bücken.

GESICHT Idiotischer, gedunsener Gesichtsausdruck. Grimassieren; bei Kindern. Zucken der Gesichtsmuskeln, Röte des Gesichts und der Nase, mit Hitzegefühl und Pulsieren im Kopf. Das Gesicht juckt und brennt. "Pain in the cheeks, as from splinters." PhM

MUND "Pains in superior maxillary bones and teeth." HeG Blutendes Zahnfleisch. Speichelfluß. Schaum vor dem Mund. Zunge belegt. Foetor. Wunde Schleimhäute. "Tounge; dry, tremulous; one side numb, with vertigo." PhM Aphthen an Zunge und Gaumen. Zittern der Zunge; artikuliert sich mühsam.

HALS/KEHLKOPF Zusammenschnürendes, trockenes, kratziges Empfinden in Rachen und Speiseröhre, immer wieder < beim Versuch zu singen. Trockenheit mit Schluckstörungen. Spannungsgefühl in der Schilddrüse; Gefühl als sei der Hals zu eng.

BRUST Kitzeln in der Luftröhre. Hustenattacken enden in Niesen, oder Husten und Niesen gleichzeitig. Plötzliche Hustenattacken < vormittags. Als ob der Husten aus der Wirbelsäule kommt. Husten hört erst auf, wenn die volle Blase entleert ist. Husten < durch Essen, Trinken und Tabakrauchen. Leichtes Abhusten gelantineartiger, durchsichtiger Schleimklumpen. Enge und Zusammenschnürungsgefühl der Brust. Verlangen tief zu Atmen. Herzklopfen; während des Koitus, beim Liegen auf dem Rücken, morgens beim Erwachen, < durch Kaffee, Tee oder Alkohol. "Palpitation most in evening." HeG Angina pectoris; Druckschmerz oder brennendes Stechen vom Herzen zum linken Schulterblatt. "Inflammation of lungs. Consumption of lungs; tuberculous consumption." HeG

ABDOMEN Enormer Appetit, aber Schluckstörungen. Heißhunger, ißt mit großer Hast und Gier. "Abneigung gegen gebratenes Fleisch." MzM Brennender Durst. Aufstoßen; leer, schmeckt wie Ÿpfel, wie faule Eier. Aufstoßen abwechselnd mit Schluckauf. Übelkeit, Völle und Druck im Magen. Gefühl eines Klumpens im Epigastrium. Krampfartige Magenschmerzen mit Angst, > durch Erbrechen. Bitteres Erbrechen mit Schwäche und Stichen im Rektum."Sense of oppression at cardiac region, as if cavity of thorax was narrowed." HeG Roemheld Symptomenkomplex. Fermentationsstörungen mit Borborygmus und reichlichen Blähungen. Leibschmerzen > durch Blähungsabgang. Schmerzen im linken Hypochondrium mit Borborygmus in der Flexura lienalis. Seitenstechen der Läufer. Mit Blähungen versetzte Durchfälle. Schleimige oder grünliche Durchfälle. Heißer Flatus.

NIEREN/HARNWEGE Stockender Harnabgang; der Harn tröpfelt, setzt aus und fängt nach einiger Zeit wieder an zu fließen. Harn fließt nur im Sitzen. Muß pressen beim Wasserlassen. Urin: reichlich, farblos, hellgelb.

MAENNLICHE GENITALIEN Sexuelle Erregung aber schwache Erektion. Nach Koitus große Schwäche, niedergeschlagen und < aller Beschwerden.

WEIBLICHE GENITALIEN Juckreiz der Scham mit starker sexueller Erregung. "Awful, almost intolerable bearing-down pain." HeG Menses zu reichlich. "Nipples, itch and burn, look red; during pregnancy."PhM Beschwerden nach Schwangerschaft, nach Koitus, während Menses.

NACKEN/RUECKEN Zerschlagenheitsschmerz der Nackenmuskeln wie zu kurz, beim Vornüberbeugen. Schmerzhafte Empfindlichkeit der Wirbelsäule, < durch Druck. Einschießende, brennende Schmerzen tief in der Wirbelsäule. "Pain in lumbar region and sacrum especially during exertion in daytime and while sitting, pain, sore aching; back not sensitive to touch." HeG Schmerzen im ganzen Rücken wie zerschlagen oder verrenkt mit Verlangen sich zu dehnen; als ob die Muskulatur zu kurz sei. Schwäche der Rückenmuskulatur < durch Gehen und Stehen. Plötzlich einschießende, stechende Schmerzen im Kreuz, dass man keinen Schritt mehr gehen kann. Als ob kühle Luft über den Rücken streicht; wie eine Aura.

EXTREMITAETEN Muskelzuckungen und unwillkürliche, veitstanzähnliche Bewegungen. "While walking, alternate stretching and flexion in lower limbs, causing a strange lifting and sinking of body, accompanied by merry, incoherent talking." HeG Zuckungen der Muskeln und Sehnen. Zittern der Hände und ungeschickte Bewegungen; läßt Gegenstände fallen. "Klamm-Schmerz im rechten Daumen-Ballen, beim Schreiben (n. 1,8 St.) (Lgh.)" HC Steigerung der Muskelkraft, kann sehr schwere Lasten tragen. Absolute Kraftlosigkeit der Glieder; besonders in den Beinen. Schwankende Bewegungen des Körpers wegen Kraftlosigkeit der Beine. Zittern und ziehende Muskelkrämpfe, wie elektrische Schläge in den Beine. Brennende, durchbohrende Gliederschmerzen. "In den Beinen entstehen die Schmerzen (fast aller Art) fast immer beim Sitzen und Stehen, seltener beim Gehen; durch Bewegung mindern und verlieren sie sich. (Ap.)" HC Empfinden, als ob die Beine nicht zu ihr gehören.

HAUT Überempfindlichkeit der Haut. Eisnadelprickeln. Starkes Frösteln und sehr empfindlich gegen kühle Luft; Gänsehaut. Die Haut schmerzt anhaltend bei Kälte und durch Druck. Brennender Juckreiz bei geröteter und geschwollener Haut; wie erfroren. Erfrierungen sowie Verbrennungen der Haut. "Angio-neurotic oedema" PhM

SCHLAF Häufiges Gähnen als Begleitsymptom vor Schmerzen oder Krämpfen. Unwillkürliches Lachen nach dem Gähnen. Tagesschläfrigkeit; nach den Mahlzeiten. Ungewöhnliches Schlafbedürfnis, kann aber nicht einschlafen. Zuckungen beim Einschlafen. Häufiges Erwachen. Lebhafte Träume.

FIEBER/FROST/TEMPERATUR Große Kälteempfindlichkeit des ganzen Körpers. Gefühl von eisigen oder heißen Nadeln unter der Haut. Wärmegefühl. Schweißausbrüche durch geringfügige Ursachen. Nachtschweiße. "Chilled easily; sweats easily; sweats on alternate sides."




GARICUS MUSCARIUS BEI MENSCH UND TIER

von Arne Krüger, Heilpraktiker & Tierarzt stellv. Schulleiter der Samuel-Hahnemann-Schule Berlin www.samuelhahnemannschule.de

Vortrag auf dem Heilpraktikerkongress Karlsruhe 2006


EINLEITUNG


Agaricus muscarius, ein Mittel für Wahnsinnige und für neurologische Phänomene, ein Mittel voll Erdverbundenheit und Mystik. Über einen Artikel über Pilze als Krankheitserreger für die Berliner Heilpraktiker Nachrichten bin ich dazu gekommen, mich intensiver mit diesem Mittel zu beschäftigen. Das Mittel und seine Mythologie haben mich besonders berührt und an die Zeit erinnert, viele Jahre ist es her, daß ich den „Herrn der Ringe“ von Tolkien das erste Mal gelesen habe und seitdem dieses große mythische Gebilde im Kopf habe. Ich habe mir damals in den 1. Band des „Herrn der Ringe“ geschrieben:

Ein Werk sie zu knechten, ins Dunkel zu reiben, und alle zu finden. Ein Werk das Besessenheit bringt, zu der Sucht des Tolkinismus. Die Phantasie wird belagert von diesem Werk, es lässt einen nimmermehr los.

BOTANIK / ZOOLOGIE

Agaricus muscaris ist ein homöopathisches Arzneimittel, welches aus dem Fliegenpilz, Amanita muscaria L. hergestellt wird. Der Fliegenpilz gehört zur Familie der Amanitaceae, aus der Unterreihe der Agaricales, aus der Reihe der Hymenomycetales, aus der Klasse der Basidiomycetes ( Ständerpilze ), aus der Unterabteilung der Eumycotina ( echte Pilze ),aus der Abteilung der Fungi ( Pilze ). Der Name Agaricus kommt vom griechischen Wort agaricon, dem Zunderschwamm, so benannt nach der Lanschaft Agaria in Dalmatien. Das Wort muscarius wird vom lateinischen Wort musca abgeleitet, was Fliege heißt. Synonymnamen für den Fliegenpilz sind Fliegenwulstling, Fliegenblätterpilz, Fliegenschwamm, Mückenpilz, Mückenpfeffer, Krötenstuhl, Narrenschwamm, Bug agaric ( engl. ), Fly Agaric ( engl. ), Fausse orange ( franz. ), Agaric mouchetè ( franz. ), Tignosa dorata ( ital. ), Ovolo malefico ( ital. ), Röd Fluesvamp ( dän. ), Fluesopp ( norweg. ), Muchomor ( poln. u. russ. ), Muchomurka obecna ( tschech. ), Legyölö galoca ( ungar. ), Itzek cox ( diabolischer Pilz, Guatemala ).

Der Fliegenpilz ist sicher der bekannteste Giftpilz, wenngleich er bei den Pilzvergiftungen praktisch keine Bedeutung hat. 90 % der Pilzvergiftungen kommen durch Knollenblätterpilze zustande. Der grüne Knollenblätterpilz ( Amanita phalloides ), die weißen Knollenblätterpilze ( Amanita virosa und verna ) und der Nadelholzschüppling ( Galerina marginata ) enthalten als Giftstoffe die zyklischen Oligopeptide Amantin und Phalloidin.

Das Vergiftungsbild ist durch heftige Brechdurchfälle, Exsikkose und nach ca. 2 Tagen durch eine schwere Lebernekrose und Nekrosen der Nierentubuli gekennzeichnet.

Biologie der Pilze

Pilze sind Eukaryonten, also Zellen mit einem Zellkern, wodurch sie sich grundlegend von den Bakterien, die Prokaryonten ( ohne Zellkern ) sind, unterscheiden. Neben den Pilzen gehören zu den Eukaryonten auch noch die Planzen und die Tiere. Die Pilze haben mit den pflanzlichen Organismen die starre Zellwand und die Bildung von Vakuolen gemein, ähneln, was den heterotrophen Stoffwechsel ( Abbau von organischen Molekülen zur Energiegewinnung ) und die fehlende Fähigkeit zur Photosynthese angeht, eher den tierischen Organismen. Man findet Pilze weltweit in den verschiedensten ökologischen Spezialisierungen, wobei der größte Teil der Pilze als Planzenparasiten lebt.

Von den ca. 120.000 verschiedenen Pilzarten finden sich ca. 100 humanpathogene Arten, deren geringe Pathogenität aber in der Regel eine Abwehrschwäche als Grundlage der Pilzinfektion voraussetzt. Eine besondere Bedeutung als Krankheitsursache haben auch die Schimmelpilze und die Giftpilze.

Von ihrem Grundaufbau her sind alle Pilzzellen sehr ähnlich. Sie besitzen eine starre Zellwand, die aus Glucanen, Mannan, Chitin und Cellulose besteht. Einige Hefepilzarten haben zusätzlich zur Zellwand noch eine Polysaccharidkapsel ausgebildet. Unter der Zellwand befindet sich die Zellmembran, die der Zellwand eng anliegt. Der Zellkern der Pilze ist von einer Kernmembran umgeben, zudem besitzen Pilze Mitochondrien für den Energiestoffwechsel, Ribosomen, und ein Endoplasmatisches Retikulum. Alle Pilze brauchen als Nährstoffe organische Kohlenwasserstoffverbindungen. Der Pilzstoffwechsel führt zu weitreichenden Umwandlungsprozessen in ihrer Umgebung, die von den Enzymen und Stoffwechselprodukten der Pilze hervorgerufen werden. Neben den schädlichen Umgebungswirkungen in Form der Mykosen, des Verderbens von Nahrungsmitteln und des Schimmelns von Holz und Textilien, sowie den Pilzvergiftungen werden diese Pilzwirkungen vom Menschen aber auch genutzt, z.B. bei der Herstellung von Wein, Bier, Käse, Milchprodukten, in der Pharmaindustrie für die Gewinnung von Antibiotika, Enzymen u.s.w. und als Nahrungsmittel in Form von Hefen und Ständerpilzen ( Champignon, Pfifferling, Steinpilz, Morchel u.v.a. ).

Die morphologische Struktur der einzelnen Pilzarten kann stark vorneinander abweichen, wobei man zwischen den rundlich-ovalen Hefeformen der unizellulären Pilze und den fadenförmigen Hypheformen der multizellulären Pilze unterscheiden kann. Bei den multizellulären Pilzen bezeichnet man die Gesamtheit der Pilzfäden, das Pilzgeflecht, auch als Mycel.

Bei der Vermehrung der Pilze kann zwischen zwei Formen, der vegetativen und der fruktifikativen Form unterschieden werden. Bei der vegetativen Form der Vermehrung teilen oder sprossen sich die Pilzzellen durch Mitose. Bei einer Hefeform geschieht dies durch einfache Trennung der Zellen, bei einer Hyphenform bilden sich durch die Mitose zwei Tochterkerne und durch Bildung eines Septums werden die beiden Zellen in dem Faden fast vollständig voneinander getrennt, so daß der Pilzfaden ein Stück weiter gewachsen ist. Einige Pilze vermehren sich abhängig von ihrer Umgebung als Hefe- oder Hypheform. Oft kommen die Pilze als Parasiten im Wirt in der Hefeform vor und außerhalb des Wirtes in der Hypheform. Solange die Nahrung in der Umgebung der Pilze unbegrenzt vorhanden ist, ist die vegetative Vermehrung vorherrschend, erst bei Nahrungsmangel gehen die Pilze zur fruktifikativen Vermehrung über. Bei der fruktifikativen Vermehrung bilden die Pilze Reproduktionsorgane ( Fruchtkörper ). Die Fruktifikation kann dann zur asexuellen oder zur sexuellen Sporenbildung dienen. Die asexuelle Sporenbildung wird auch als Nebenfruchtform ( Fungi imperfecti ) bezeichnet. Diese Sporen sind besonders dickwandig und gegenüber chemischen und physikalischen Einflüssen, wie z.B. Austrocknung sehr resistent. Somit ähneln diese Pilzsporen den Bakteriensporen und sind Dauerformen, mit denen die Pilze Trockenzeiten, Nahrungsmangel etc. begegnen können. Auch fällt diesen Sporen die Ausbreitung über Zwischenträger ( Fliegen, Vögel, Wind ) leichter, da sie auf dem Transport keiner Nährstoffe bedürfen. Bei geeigneten Umweltbedingungen gehen die asexuellen Sporen dann wieder zur vegetativen Vermehrung über, um sich einen neuen Nährboden zu erschließen. Es gibt auch die Möglichkeit der sexuellen Fortpflanzung, wobei hier eine Meiose ( Reifeteilung ) stattfindet, wodurch haploide Gameten ( Keimzellen ) entstehen, die miteinander verschmelzen können. Als Endprodukt der sexuellen Vermehrung enstehen sexuelle Sporen, die wie die asexuellen Sporen zur Weiterverbreitung der Pilze dienen. Der besondere Vorteil der sexuellen Vermehrung liegt in der größeren Mischung des Erbgutes und der damit verbundenen besseren genetischen Anpassungsfähigkeit der Pilze an sich verändernde Umweltbedingungen. Die Pilze, welche zur sexuellen Fortpflanzung in der Lage sind, werden als Hauptfruchtformen ( Fungi perfecti ) bezeichnet. Im menschlichen Organismus bilden Pilze grundsätzlich keine Fruchtkörper, da das Nahrungsreservoir hier nicht erschöpft ist, es sei denn der Mensch ist tot.

Botanik / Zoologie

Der Fliegenpilz hat anfangs einen kugeligen Fruchtkörper, der sich später zu einem ca. 5 - 15 cm breiten Hut ausbreitet. Am Beginn seiner Entwicklung ist der Hut leuchtend orange- bis scharlachrot, später ist er eher gelblich. Auf der Oberfläche finden sich zahlreiche klebrige weiße Flocken als Hüllreste des Hutes. Diese Flocken sind bei Regen aber leicht abwaschbar, können also fehlen. Der Stiel und die Lamellen des Pilzes sind weiß. Der Stiel, der 8 - 20 cm lang werden kann, ist am Boden knollig verdickt und verjüngt sich nach oben. Am Stiel befindet sich eine weiße und schlaffe Manschette. Das Fleisch ist weiß und hat einen zuerst milden, nussartigen und später widerlichen Geschmack. Der Fruchtkörper bildet sich von August bis zum Oktober. Ähnlich einem weissen Ei bricht der junge Pilz aus dem Boden. Später dann bildet sich der Fruchtkörper in seiner ganzen Form aus.

Der Fliegenpilz ist ein Waldbewohner und lebt mit Nadelhölzern und Birken in Wurzelgemeinschaft. Hierbei ernährt sich der Pilz zum Teil von den Bäumen und begünstigt seinerseits deren Wachstum. Man findet den Fliegenpilz in ganz Europa, in Sibirien, in Südafrika und auch in Nordamerika. Die Giftigkeit des Fliegenpilzes hängt von seiner Umgebung ab, so kann er in Sibirien als Speisepilz verzehrt werden, während er in West- und Südeuropa bedeutend giftiger ist. In Italien finden sich des öfteren Fliegenpilzvergiftungen, denn er kann dort mit einem Speisepilz, dem Kaiserling ( Amanita caesarea ) verwechselt werden. Für die homöopathische Zubereitung wird der frische, oberirdische Fruchtkörper verwendet.

IDEE UND SYMBOLIK DES MITTELS

Ein Agaricusgedicht von Christel Paarmann

Ein Männlein steht im Wald allein ganz still und auch ganz stumm. Es flimmert ihm vor Augen schon, aus Angst, er kippe um. Sein Hut ist lustig weiß und rot, doch er sieht schwarz, denkt an den Tod.

Agaricus muscarius : das Mittel, das er nehmen muß bei Depression und Säuferwahn und bei Delirium.

Das Männlein steht im Wald herum und kratzt an seinem Bein. Tagsüber zuckt und zappelt es, doch schläft es abends ein, dann hört es auf, zu rucken zu kribbeln und zu jucken.

Agaricus muscarius, das ist es, was ihm helfen muß, bei Spasmen, Tics und Konvulsion wird es sein Mittel sein.

Das Männlein steht und lacht sich krumm und schief an seinen Witzen. Euphorisch reimt es, singt und pfeift un kommt ganz schnell ins Schwitzen. Es wähnt sich kleiner als ein Zwerg, sieht Hexenkram und Teufelswerk.

Agaricus muscarius - Beschwörungswort, das helfen muß, will einer kniend mit ‘nem Pilz sich seinen Bauch aufschlitzen.

Nach BOMHARDT sind Themen des Mittels Agaricus die Alltagspflichten, denen man nicht mehr nachkommt, die Ansprüche und Erwartungen anderer, die zu erfüllen sind, die Ekstase, Erdverbundenheit, Gück, Hexen, Hexenverbrennung, die Kontrolle und der Umgang mit Impulsen, natürliche Instinkte, Intuition, Magie, Minderwertigkeitskomplexe, Rausch, der Scheintod, die Selbstständigkeit, Sünde, Trance, die innere Unsicherheit, Unterwerfung, das Gefühl, unverstanden zu sein, Verzauberung, plötzliches Wachstum, ein Mangel an Willenskraft, Zwergwüchsigkeit.

Zur Symbolik von Agaricus gehören die Aborigines, der Atompilz, Bälle, Bauerntrottel, Blasen, Drol, Druiden, Fasching, Feuer, Fliegen, Geister, Gelübde, unerwartetes Glück, glückliches Warten, Glückspilze, Gnome, Heinzelmännchen, das Herumhüpfen, Hexenkreis, Hexenverbrennung, Jahreswechsel, Knolle, Knollen, Knolliges, eine kreisförmige Anordnung, Kugeln, Lotto, Modrigkeit, Rundes, Schelle, Schirm, Schleudersitze, Schlümpfe, Silvester, Spaßmacher, das Spielen mit dem Feuer, Talismann, Tolpatsch, Totem, Gefühl von Unzulänglichkeit, Watschelgang, Wikinger, Wolken, Wotan, Zellteilung, und Zwerge. Die Symbolik von Agaricus umfaßt auch Landschaften wie Finnland und Sibirien. Als Literatur passen zu Agaricus die Ansichten eines Clowns von Heinrich Böll, der Herr der Ringe von Tolkien, der kleine König Kalle Wirsch, Krabbat, und phantastische Märchen von Helga Webert. Als Märchen Dr. Wichtel, Hans im Glück, Rumpelstilzchen ( siehe Kapitel Märchen und Mythologie), Schneewittchen und Zwergengeschichten. Als Agaricusmusik wird die Musik der Beatles, Bizets die Perlenfischer, Debussys der Faun, und Witthüsers & Westrupps der Jesuspilz beschrieben. Das Instrument von Agaricus sind die Trommeln. Als Persönlichkeiten wird der Baron von Münchhausen, als Pflanze das Moos und als Schriftsteller Tolkien angeführt. Typische Agaricusredensarten sind Bauerntrottel; das Glück ist mit den Dummen; du bist nicht richtig im Kopf; es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit; kommt auf keinen grünen Zweig und Tolpatsch. Als Spielfilm wird die Fliege beschrieben, was ich allerdings für sehr fraglich halte, denn die Fliege ist in einem Maß destruktiv, was nicht zu Agaricus passen will. Im Tarot gehört zu Agaricus die Karte "der Erhängte ". Agaricustiere sollen die Ameise, die Ente, die Fliege, Maulwürfe und Spinnen sein. Zur Agaricuskonstitution sollen die astrologischen Konstellationen von Pluto-Uranus, Uranus-Jupiter und Uranus-Neptun passen. Typische Agaricusberufe sollen der Clown, der Druide, der Schamane und der Spaßmacher sein.


PHARMAKOLOGIE UND TOXIKOLOGIE


Der Fliegenpilz enthält das Amin Muscarin, Ibotensäure ( Prämuscimol ), Muscimol, Muscazon, Bufotenin, Cholin, Acetylcholin, Herzynin, Putrescin, Betain, Xanthin, Hypoxanthin, Muscarufin ( als rotes Pigment ), Trehalose und Mannitol.

MUSCARINWIRKUNG

Muscarin ist das am längsten bekannte Pilzgift. Muscarinartige Rezeptoren ( m-Rezeptoren ) finden sich im Bereich des vegetativen Nervensystems an den Acteylcholinrezeptoren der postsynaptischen Membranen an den Organen auf die der Parasympathicus wirkt. Die Muskarinwirkung ist allerdings in erster Linie eine experimentelle Bedeutung zur Erforschung des Parasympathicus. Durch seine Toxizität wird Muscarin nicht als parasympathomimetisches Medikament eingesetzt. Pharmakologisch sind bei der Muscarinvergiftung Speichelfluß, Schweißausbrüche, Durchfall, Erbrechen, Miosis und Kreislaufkollaps zu beobachten. Die Vergiftungserscheinungen beginnen in der Regel 0,25 - 2,0 Stunden nach dem Essen. Typische Symptome sind Schweißausbrüche, Speichelfluß, Tränensekretion, starke Pupillenverengung, Adaptationsstarre, Bradycardie mit Blutdruckabfall, Bronchopsamen mit inspiratorischer Dyspnoe, starker Schleimansammlung in den Atemwegen und die Gefahr von Lungenödem und Herzversagen. Wie bei anderen Pilzvergiftungen finden sich auch Erbrechen, Durchfälle und Magen-Darm-Koliken. Da Muscarin die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren kann, bewirkt es keine zentralnervösen Symptome.

MUMMENTHALER beschreibt die Muscarinwirkung wie folgt : Dauerkontraktionen der glatten Muskulatur, was zu Bronchospasmen, Pupillenverengung, Akkomodationsstörungen, Darmkoliken mit Durchfällen, Blutdruckabfall, Pulsverlangsamung, vermehrte Sekretion von Speicheldrüsen, Tränendrüse, und Bronchialsekretion.

ACETYLCHOLINWIRKUNG

Auch wenn das Acetylchlin aus dem Pilz im Körper nur sehr kurz wirksam ist, entspricht die Vergiftungsrichtung dem Bild einer Acetylcholinwirkung. Hierin ähnelt der Fliegenpilz auch der Vergiftung von vielen chemischen Kampfstoffen, die giftig wirken, indem sie den körpereigenen Abbau von Acetylcholin hemmen. Acetylcholin bewirkt im Organismus über die m-Rezeptoren eine Abnahme von Herzfrequenz, Kontraktionskraft des Herzens, Leitungsgeschwindigkeit am Herzen, die Dilatation ( Erschlaffung ) der Blutgefäße und damit ein Sinken des Blutdrucks, eine Kontraktion der Bronchialmuskulatur und eine gesteigerte Sekretion der Bronchialdrüsen, die Steigerung von Motilität, Peristaltik und Sekretion im Magen-Darm-Trakt, die Relaxierung der Magen-Darm-Sphincteren, einschließlich des Muskulus sphincter ani internus. An der Harnblase wird eine Kontraktion des Musculus detrusor vesicae und eine Dilatation des Musculus sphincter vesicae bewirkt, wodurch es zu einer Entleerung der Blase kommt. Am Penis bewirkt der Parasympathicus eine Erektion, während die Ejakulation und der Orgasmus eine Funktion des Sympaticus sind. Am Auge kommt es zur Kontraktion des Musculus sphincter pupillae, was zur Engestellung der Pupille ( Miosis ) führt und zur Kontraktion des Musculus ciliaris, wodurch die Akomodation ( Nah- und Ferneinstellung ) durch Regulation der Dicke der Augenlinse zustande kommt. Im Stoffwechsel der Leber kommt es durch Acetylcholin zur Stimulation der Glykogen-Synthese.

ISOXAZOLWIRKUNG

Die Isoxazole ( Ibotensäure, Muscimol, Muscazon ), welche im Fliegenpilz und im Pantherpilz als Toxine vorkommen, sind atypische Amine. Aufgrund ihrer schwach insektiziden Wirkung ist der Fliegenpilz wohl zu seinem Namen gekommen. Muscimol wirkt zudem aufgrund seiner strukturellen Ähnlichkeit als Antagonist von Gamma-Amino-Butter-Säure ( GABA ). Die Vergiftungserscheinungen der Isoxazole bestehen in toxischen Psychosen, die 0,5 - 1,5 Stunden nach dem Essen des Pilzes beginnen und nach 2 - 3 Stunden voll entwickelt sind. Anfangs ähnelt die Psychose dem Alkoholrausch mit Gangunsicherheit und Koordinationsproblemen. Später kommt es zu Hyperkinesie, zu Muskelkrämpfen, deliriumähnlichen Erregungszuständen, optischen und akustischen Haluzinationen, Schläfrigkeit und zum Ende sogar zum Koma. Es kann zur Verwechslung mit Kinderlähmung oder Schlafmittelvergiftungen kommen.

VERGIFTUNG DURCH DEN GANZEN FLIEGENPILZ

Bei der Vergiftung mit Fliegenpilzen können nach der Aufnahme frischer Fruchtkörper nach einer Latenzzeit von wenigen Minuten bis zu 10 Stunden Symptome beobachtet werden. Am Anfang der Vergiftung zeigen sich Ekel, Erbrechen, Brennen im Magen, Durst, vermehrter Speichelfluß, starke Schweißausbrüche, eine Steigerung aller Sekretionen, Magen-Darm-Koliken und Durchfälle mit schleimig-blutigen Stühlen. Man findet auch rauschartige Zustände mit Umhertorkeln.

In einem zweiten Stadium der Vergiftung zeigen dann Zittern, Tetanien, die schon durch geringste Geräusche und leiseste Berührungen augelöst werden, ähnlich der Strychninvergiftung, leichte Muskelzuckungen, Krämpfe und in seltenen Fällen ein Trismus ( Kieferklemme ). Durch die Wasser- u. Elektrolytverluste kann es auch zu Wadenkrämpfen, Oligurie, Anurie und zum Kreislaufkollaps kommen.

In einem dritten Stadium zeigen sich kollapsartige Ohnmachten, rauschartige Zustände, Umhertaumeln, Betäubungen, Bewußtseinsverluste, eine Pulsverlangsamung,eine Verlangsamung der Atmung, eine heftige Mydriasis ( Weitstellung der Pupillen ), Sehstörungen, vorübergehende Blindheit und im Extremfall ein Herzstillstand.

Schon kleine Mengen des Fliegenpilzes können zu Gemütsveränderungen, zu einem Wechsel von Traurigkeit und Fröhlichkeit, zu Tanzen, Lachen, allgemeiner Steigerung der Körperkräfte, Zittern, Krampfanfällen, Delirien, Halluzinationen ( ähnlich Cannabis indica ), Raserei, Zyanose, paraplegischen Zuständen, einem Kältegefühl in den Extremitäten, Sphinterenlähmungen und nadelstichartigen Schmerzen führen.

Bei Katzen zeigt sich die Fliegenpilzvergiftung mit Erbrechen, Salivation ( Speichelfluß ), einer Starre der Pupillen und Krämpfen. Auch zeigen sich Verhaltensänderungen, die den Anschein von Halluzinationen ergeben. Ein Vergiftungsbericht von SCHMIDT/HORZINEK beschreibt eine 4 Monate alte Katze, die die Hälfte eines Fliegenpilzhutes gefressen hatte. Zwei Stunden nach der Pilzaufnahme zeigte sie sich wie in einem „volltrunkenen“ Zustand.

FRÖHNER beschreibt bei Pferden die Vergiftung mit Durchfall, Speichelfluß und Pupillenverengung. Beim Schaf beschreibt er ein plötzliches Umfallen nach der Pilzaufnahme und Lähmungen. Nach einiger Zeit erholten sich aber alle Schafe wieder. Bei Gänsen werden heftige Vergiftungen beschrieben, wobei es zu Taumeln und wutähnlichem Benehmen und Wälzen gekommen ist. In der Sektion zeigten die Gänse eine Rötung und Entzündung der Schleimhäute von Schlund, Kropf und Darm.

GEBRAUCH ALS RAUSCHMITTEL

LEESER berichtet vom Gebrauch des Fliegenpilzes als Rauschmittel bei den sibirischen Völkern der Samojeden, Tschuktschen und Korjaken. Er zitiert einen Bericht von KLEIN aus dem Jahr 1907.

" Die Pilze werden im Herbst gesammelt, getrocknet und dann bei feierlichen Anlässen verzehrt. Die Augen gewinnen einen wilden Ausdruck und blendenden Glanz, die Hände geraten ins Zittern, die Herrschaft über die Glieder schwindet, während noch volles Bewußtsein besteht. Aber schon wenige Minuten später überfällt den Berauschten schwere Betäubung, er beginnt leise eintönige Lieder zu singen, die immer lebhafter und lauter und durch schnell ausgestoßene Worte unterbrochen werden. Gleichzeitig steigert sich die Sucht zu immer stärkerer Bewegung, in rasenden Tobsuchtsanfällen beginnt ein ohrenbetäubendes Trommeln und ein unbeschreiblicher Tanz und Umherjagen in der bewohnten Jurte. Das endet dann ebenso plötzlich in Ermatten und Niedersinken zu totenähnlichem Schlaf mit gesteigertem Speichelfluß und auffallender Pulsverlangsamung. Aber dieser Schlaf ist gerade erwünscht, denn der Berauschte hat in ihm die schönsten phantastisch-sinnlichen Träume und sieht alles was er nur wünscht. Nach etwa einer halben Stunde erwachen die Schlafenden, gehen unsicher hin und her und erleiden Zuckungen im ganzen Körper, die in neue, jetzt schwächere Tobsuchtsanfälle übergehen. Dieser Vorgang mit Wechsel von Wachen und Schlafen wiederholt sich einige Male, wobei die Anfälle jedoch immer schwächer auftreten, um schließlich in einigen Stunden ganz aufzuhören. Um den Zustand der Berauschtheit länger aufrecht zu halten, trinken deshalb die Berauschten ihren eigenen frisch in Blechgefäße gelassenen Harn... "

SIEGEL berichtet von der Beobachtung, die sibirische Stämme bei Rentieren gemacht haben, die Fliegenpilze gefressen haben. Die Rentiere werden nach dem Genuß des Pilzes wie betäubt und fallen gelähmt zu Boden. „ Zahme Rentiere lassen sich in ihrer Gier nach diesem Pilz nicht mehr bändigen und verhalten sich wie betrunken. Sie laufen ziellos umher, machen Lärm, zucken mit dem Kopf und isolieren sich von der Herde.“ „ Die Stammesangehörigen bemerkten, daß die Rentiere sich heftig für menschlichen Urin interessierten, der das Stoffwechselprodukt Muscimol enthält. Wenn sie den Urin in ihrer Umgebung schnuppern, hasten die Rentiere zu der Stelle und beginnen um die gelbgefärbten Schneebrocken zu kämpfen. Der Urin hat für die Rentiere die gleiche berauschende Wirkung wie die Fliegenpilze. Das Verlangen der Rentiere nach Urin, mit oder ohne Muscimol, äußert sich so aggressiv, daß Reisende in diesem Gebiet davor gewarnt werden, in der offenen Tundra zu urinieren, wenn Rentiere in der Nähe sind. ... “

Die Rauschwirkung ist möglicherweise die älteste den Menschen bekannte Wirkung des Fliegenpilzes. Schon in der Jungsteinzeit finden sich Darstellungen von pilzähnlichen Geistergestalten auf Steinplatten, Felsbrocken und Felswänden. Nach FURLENMEIER kann vermutet werden, daß Agaricus das älteste und warscheinlich auch am meisten verbreitetste Haluzinogen ist. Agaricus ist wohl mit dem geheimnisvollen altindischen Soma identisch. Soma ist die zur Gottheit erhobene Rauschdroge der Arier, die vor ca. 3.500 Jahren vom Norden in das Industal eingefallen sind. Die Arier haben einen aus der heiligen Pflanze bereiteten Trank bei ihren sakralen Riten verwendet. In den vedischen Überlieferungen sind dem Soma viele Hymnen gewidmet. Die vedischen Schriften weisen auch auf die Sitte des Urintrinkens, ähnlich den sibirischen Bräuchen hin. Es wird berichtet: „ Die aufgeblähten Männer pissen das überfließende Soma. Die Herrscher mit ihren vollen Blasen pissen schnell das Soma.“

Auch die amerikanischen Ureinwohner, welche ja aus Asien über die Beringstraße eingewandert sind, haben das rituelle Verzehren des Fliegenpilzes nach Amerika mitgenommen. Bei den athabaskischen Stämmen im kanadischen Mackenzie-Gebirge hat sich die haluzinogene Verwendung des Fliegenpilzes finden lassen, genauso wie bei den Maja, die den Fliegenpilz auch Kakulja-ikox nennen, den Blitz-Pilz.


VOLKSHEILKUNDE


Der Fliegenpilz wird bei Paracelsus als Vorbeugemittel bei Lungenphthise und bei Diabetes genannt. Auch als fliegentötendes Mittel, vor allem aber als Antiwurmmittel beschreibt Paracelsus den Pilz. Johann Wittich ( New Artzneybuch aus dem Jahre 1595 ) beschreibt den Fliegenpilz als Arzneimittel gegen Epilepsie und zur Reinigung von böser Feuchtigkeit und zähem groben Schleim. Auch soll er bei Schwindel, Kopfschmerz und Apoplexie dienlich sein. Chr. Bernhard ( 1755 ) beschreibt den Fliegenpilz innerlich in Essig bei Epilepsie. Auch bei bösartigen Geschwüren, Pocken am Auge, bei fressenden Geschwüren, Operationswunden, gegen wildes Fleisch an Wunden und bei Knoten in der Brust wird der Fliegenpilz empfohlen. Auch eine Anwendung bei tuberkulösen Nachtschweißen war gebräuchlich. Im Rheinland gelten Fliegenpilze, als Gericht genossen, als Heilmittel gegen Krebs. In der russichen Volksmedizin wird das Mittel bei Lähmungen und Nervenkrankheiten, bei rheumatischen Schmerzen, bei Erkältungskrankheiten und zum Vergiften von Mäusen und Ratten beschrieben. In Sibirien wird der Fliegenpilz als Volksheilmittel gegen ruhr- und choleraartige Durchfälle verwendet. Die Anwendung als Rauschmittel bei sibirischen Stämmen ist bereits im Kapitel Pharmakologie und Toxikologie beschrieben. Eine weniger medizinische als militärische Anwendung wird bei den alten nordischen Kämpfern beschrieben, die den Pilz genommen haben, um ihre Kampfeslust zu höchster kriegerischer Wut ( Berserkerwut ) anzufachen.

KONSTITUTIONSBILD

Ein Agaricus Gedicht von E. Gardemin

Agaricus hat immer „ Zucken “, Ferner Brennen, Kribbeln, Jucken, Sei es an den Augenlidern, Sei`s am Herzen, an den Gliedern,

Ob es Veitstanz oder Krämpfe, Mit Agaricus bekämpfe Wenn Du dieses Phänomen Mit aller Deutlichkeit kannst sehn.

DER ERWACHSENE AGARICUS-TYP

GAWLIK beschreibt den Agaricus-Erwachsenen als Menschen mit einer großen körperlichen und geistigen Schwäche. Die Trägheit und Mattigkeit ist oft Folge von einer Überempfindlichkeit des ganzen Körpers bei Beanspruchung durch übergroße geistige Tätigkeit oder in Folge von Alkohol oder sexueller Überreizung. Auf der einen Seite findet sich immer das triebhafte, fast animalische Vegetativum, das alle Emotionen bestimmt, auf der anderen Seite die Schwäche, die sehr lange andauert und einhergeht mit fibrillären Muskelzuckungen besonders im Gesicht, in den Augenlidern, auch im Bereich des Trigeminus. Die Agaricus-Menschen geraten auch ohne Alkohol in delirante Zustände und fallen durch ihre Grimassierungen und gelegentliche spinale Affektionen auf. Sie werden bestimmt von ihrer großen Furcht vor Krankheiten. Sie können völlig inaktiv werden, sich nur noch mit ihrer Krankheit beschäftigen und von Arzt zu Arzt gehen, um sich beweisen zu lassen, daß sie nicht krank sind. Trotzdem suchen sie weiter. Hin und wieder, wenn viele Ärzte ihnen bewiesen haben, daß sie gesund sind, verliert sich diese Furcht für kurze Zeit. Dann fühlen sie sich ungeheuer wohl und wollen das Leben bis zur Neige auskosten. Die Agaricus-Menschen befinden sich in einer einem Rauschzustand ähnlichen Verfassung, was daran erinnert, daß der Fliegenpilz in alten Zeiten auch als Rauschmittel verwendet wurde. Man kann den Eindruck haben, die Patienten wären rauschgiftsüchtig. Neben ihrer erregten, aufwühlend exaltierten Art steht die ängstliche, bis zur Morbidität neigende Eskalation der Ambivalenz. Die Patienten sprechen fortwährend, beantworten keine Fragen, reden einfach, können keine Pausen finden. Beim Sprechen können sie gelegentlich lachen, sogar singen.

LEESER beschreibt den Agaricus-Typ als überlebendig, unbeherrscht, hastig, ruhelos, ständig in Bewegung und schwatzhaft. Die Agaricus-Menschen sind rasch begeisterungsfähig und verfügen über übernormale Kraftleistungen. Sie zeigen eine ungenügende Beherrschtheit und Willenszügelung und einen ebenso leichten Umschlag der gesteigerten Stimmung in Entmutigung und Kraftlosigkeit. Die Menschen können eine erhöhte geistige Beweglichkeit zeigen, sind sprunghaft, heiter, ausgelassen. Die positive Stimmung ist aber ohne Ausdauer und schlägt schnell in Niedergeschlagenheit und Melancholie um. Die Agaricuskonstitution verinnerlicht den Ausspruch " Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt ". Das Wesen von Agaricus wird stets durch Gegensätzlichkeiten geprägt, so daß die Menschen zum Teil als ungeschickt, dumm, linkisch, plump, müde und träge erscheinen und andererseits das ganze Gegenteil darbieten. Der plumpe Typus überwiegt am Morgen und der geistig rege Typus am Abend. Nach HAHNEMANN gehört der Agaricusmensch dem psorischen Miasma zu.

DAS AGARICUS-KIND

Das Agaricus-Kind zeigt nach GAWLIK eine deutlich verzögerte körperliche und geistige Entwicklung. Sie sprechen undeutlich und lernen sehr spät laufen, sind sehr ungeschickt, lassen alles fallen, bewegen sich hastig. Ihre Gedächtnisschwäche ist so stark, daß sie kaum die erste Klasse besuchen können. Dazu kommt noch die erhebliche Empfindlichkeit gegen Kälte und ein andauerndes Frösteln. Die Kinder haben neben ihrer so verspäteten Entwicklung häufig Chorea-minor-Zustände mit Lidzucken und einem Tic. Auch Krämpfe, besonders nach Tadel oder nach Schreck, sind zu beobachten. Im ersten Schlaf setzen sie sich oft schreckhaft im Bett auf. Im Wachstumsalter klagen sie über Knochenschmerzen.

Die Unmittelbarkeit der auslösenden Ursache ist beim Agaricus-Kind nach ENDERS schwer nachvollziehbar. Mitunter ist an ein Geburtstrauma mit schleichender Sepsis zu denken. Es kann sich ein Hirnschaden oder eine zu frühe Impfung finden. Es findet sich eine Überaktivität eines kräftigen, aber frostigen Kindes. Ähnlich dem Alkoholrausch, schießen seine Bewegungen und Handlungen über das gewählte Ziel hinaus. Ständig in Bewegung, torkelt es ungeschickt durch den Raum, stolpert über Spielzeug, vereinzelt unterbrochen von ruckartig ausfahrenden oder krampfartig sich windenden Muskelbewegungen. Es fällt den Kindern schwer, geistig zwei Worte oder Begriffe miteinander in Verbindung zu bringen, was sich in ihrer Sprache mit stoßhaft und stotternd hervorgebrachten, aber redseligen Worten ausdrückt. Die Konzentration des Agaricus-Kindes ist dabei gleich null, besser gesagt, es hört gar nicht zu, noch beantwortet es irgendeine Frage, sondern es schwätzt seinen eigenen Kram weiter. Währenddessen wird sein Gesicht von recht heftigen, ticartigen Muskelverkrampfungen durchzuckt. Besonders die Lider blinkern fortwährend, oder sein Ausdruck verformt sich zu einem läppischen Grinsen. Seine Mutter klagt über das Schulverhalten; es sei als albernder Hampelmann verschrieen, störe den Unterricht mit lautem Gähnen, Singen, Lachen und gelegentlichem Tanzen, das es auch zu Hause reichlich und wie berauscht auslebe. Obwohl allgemein heiter, ausgelassen und geschwätzig, dreht sich das Blatt bei Ärger und Aufregungen, bei Tadel und Schreck geschwind auf die Gegenseite. Es wütet, tobt, rast wie im Delirium, erkennt niemanden mehr, wirft Gegenstände und haßerfüllte, verächtliche Worte mit einem zwar abwesenden, aber brutalen Blick nach seiner Umgebung. Meist schlägt es sich selbst gegen den Kopf oder Körper, zerreißt seine Kleider oder zerstört sein Spielzeug, als wolle es sich selbst bestrafen für das undurchschaubare Geschehen an seiner kleinen Person. Danach weint es erbärmlich, scheut erschöpft vor seiner Umwelt zurück und murmelt unverständliches Zeug vor sich hin. Bei diesen eher verwirrenden Ereignissen führt uns der Schlaf des Kindes und einige leibliche Störungen zur Arzneiwahl. Die Zuckungen und Verkrampfungen werden in der Nacht unterbrochen ( ähnlich bei Tarantula ), wobei die Kinder bei Beginn des Schlafes noch einmal heftig auffahren und erschrecken können. Bei den körperlichen Symptomen fallen die hochroten Ohren, Handinnenflächen und Fußsohlen auf, die oft sehr quälend jucken, brennen und stechen, als liefen Insekten drüber oder als pieksten tausend eiskalte Nadeln. Zusätzlich plagt nicht selten ein krampfartiger Husten aus heiterem Himmel, dem jeweils krampfartige Niesanfälle folgen.

VITHOULKAS beschreibt die Agaricus-Kinder als zuweilen geistig etwas zurückgeblieben und langsam im Gehenlernen, Sprechenlernen und Lernen überhaupt. Die Kinder sind plump, unbeholfen, schüchtern, und sehen etwas zurückgeblieben aus. Sie neigen zu roten Nasen, Zuckungen im Gesicht und Frostbeulen an den Ohren.

AGARICUS-GESCHICHTE

E. u. P. FRIEDRICH beschreiben die Agaricus-Konstitution mit folgender Geschichte:

" Die Familie Agaricus hatte wenig Geduld mit dem kleinen Muscarius, denn dieser benahm sich oft sehr ungeschickt. Es dauerte lange, bis sich Muscarius tolpatschig und unsicher fortbewegen konnte, und es schien seinen Eltern wie eine Ewigkeit, bis er endlich die ersten zaghaften Worte sprach. Vater und Mutter hätten gerne ein gewandteres Kind gehabt, was sie den Kleinen durch ihr barsches Wesen auch oft genug merken ließen. Muscarius war schnell überfordert und zeigte bei der kleinsten Anstrengng rote Ohren. Seinen einfältigen, naiven Blick bezeichnete der Vater immer wieder als idiotischen und tölpelhaften Gesichtsausdruck, wodurch sich Muscarius gedemütigt fühlte. Der Junge machte viele Fehler beim Sprechen, was des Vaters Ungeduld natürlich auf die Spritze trieb. " Sprich ordentlich, du Trottel ! " schrie er seinen Sohn an, der allmählich und unbemerkt verängstigt mit den Augen zu zwinkern begann.

War der Vater einmal besserer Laune, so nannte er seinen Jüngsten spaßhaft " Pilz ". Weder Vater noch Mutter merkten, daß sich dieser Pilz langsam zu einem Giftpilz entwickelte, weil ihm immer wieder die Erlaubnis verweigert wurde, sich ganz ungezwungen so zu geben, wie er nun mal war. Seine Eigenart wurde unterdrückt, wodurch Mucarius immer mehr zu einem gehemmten Kind wurde. Wenn er Gegenstände fallen ließ oder Fehler beim Sprechen machte, reagierten seine Eltern bestenfalls mit " Oh, Gott ! " und zeigten ansonsten wenig Verständnis für die Tolpatschigkeit ihres Sohnes. Muscarius begann schließlich zu stottern und auch zu zucken. Er konnte sich in keiner Weise mehr gelöst äußern.

Als der Vater eines Tages auf Muscarius` Grimassen aufmerksam wurde, dachte er an eine Narretei und verabreichte seinem Sohn eine Ohrfeige. Dieser bekam auf die Bestrafung hin Zuckungen am ganzen Körper und stieß dabei die wertvolle Edelpilz-Käseplatte vom Tisch. Auch in dieser Handlung vermutete der Vater eine böswillige Absicht, weshalb er sich den unverschämten Frechdachs wutentbrannt übers Knie legen wollte. Da merkte er gerade noch rechtzeitig, daß Muscarius` Körper ziemlich steif war und heftig von schleudernden, blitzartigen Bewegungen ergriffen wurde. Der daraufhin gerufene Arzt stellte einen Anfall von "Chorea minor" fest und erteilte den Rat, das Kind schlafen zu legen, wodurch dieser Zustand bald wieder verschwand.

In der Schule hatte Muscarius, wie nicht anders erwartet, Schwierigkeiten bei der Konzentration und bei der Koordination. So konnte er beispielsweise die einzelnen Buchstaben lesen, brachte sie aber nicht zusammen in ein ganzes Wort. Er konnte die Dinge schwer auf einen Nenner bringen, was sich auch später beim Bruchrechnen bemerkbar machte. Manchmal sah er beim Lesen Flecken oder Fliegen vor den Augen, aber kein Mensch glaubte ihm. Besonders sein Vater dachte dabei wieder an einen speziellen Gag und schickte Muscarius deshalb kurze Zeit später als "Fliegenpilz" zur Faschingsfeier in die Schule. Muscarius empfand das als schlimme Strafe, weil seine Freunde alle als Cowboys oder Indianer verkleidet waren und zuckte deshalb nervös mit den Mundwinkeln. Die Mutter wollte ihm zum Abschied noch eine rote Pappnase umbinden, als sie dabei verblüfft feststellte, daß die Nasenspitze ihres Sohnes noch roter war als das Provisorium und daß sich deshalb solche Verkleidungen erübrigten.

Wenn Muscarius abends zu Bett gehen sollte, wurde er oft erst so richtig aktiv. Er kramte allerlei Spiele herbei, hüpfte, sprang und tanzte heiter herum. Fröhlich sang er ein Liedchen nach dem anderen, juchzte, pfiff, lachte und schrie ausgelassen und in großer Begeisterung seine Gedichte hinaus. Es fielen ihm sogar völlig neue Reime ein, die er schnell vor sich hin plapperte. Ermahnungen, endlich ins Bett zu gehen, überhörte er gänzlich, weil er vor lauter Reden nichts aufnehmen konnte. Muscarius sprach unentwegt und ließ sich durch nichts in seinem Redefluß unterbrechen. Fragen seiner Eltern überging er, während er in seiner Geschwätzigkeit ohne Unterbrechung von einem Thema zum anderen übersprang. Eines Tages wurde es seinem Vater zu bunt, weshalb er Muscarius fassen und zu Bett bringen wollte. Dieser aber wich ihm flink aus, sprang mit einem Satz auf die Kommode und setzte von dort quietschend auf den Kaminsims über. Während der Vater hinter im nachjagte, wich Muscarius juchzend und schreiend auf das Fensterbrett aus und blinzelte ihm von dort aus schelmisch zu. Vergnügt stürzte er sich von dieser Position aus auf die Couch und war für den rasenden Vater enfach nicht zu greifen.

Am Morgen danach lag Muscarius wie tot im Bett und reagierte äußerst verdrießlich, als er zum Schulgang geweckt wurde. Er wollte sich weder anziehen, waschen, noch frühstücken, und reden mochte er überhaupt nie mehr. Träge und apathisch ließ er sich ins Badezimmer schieben, wo er sich müde, verwirrt und überaus schwach am Waschbecken festhielt, während die Mutter in waschen mußte. Stumpf ließ er sich ankleiden und saß danach unentschlossen, schmollend und mit zuckenden Augenlidern vor seinem Frühstück. Traurig und beinahe leblos schlich er zuletzt aus dem Haus und schleppte sich der Schule entgegen.

Manchmal bekam Muscarius einen unerträglichen Juckreiz, der sich über den ganzen Körper erstreckte und bei Kratzen ständig die Stelle wechselte. Das war besonders dann zu beobachten, wenn der Junge nervös und kraftlos war. Solche Gelegenheiten ergaben sich zum Beispiel am Nachmittag beim Bearbeiten seiner Hausaufgaben. Erschöpft von der Schule und unruhig durch Mutters hartnäckige Anforderungen spürte er bald ein Stechen und Brennen am Rücken, bald ein Kribbeln an den Oberschenkeln und ein Beißen an den Armen. Er kratzte sich bisweilen blutig, aber das half ihm wenig. Je mehr er sich geistig anstrengen mußte, desto schlimmer wurde der Juckreiz.

Muscarius ließ sich im allgemeinen sehr viel gefallen, weil er zu gutmütig und zu unbeholfen war, um sich entsprechend zur Wehr zu setzen. Dafür schnappte er hin und wieder wegen winziger Kleinigkeiten über. Man konnte den Eindruck gewinnen, daß Muscarius immer wartete, bis das Maß voll war, weshalb dann ein einziger Tropfen ausreichte, um das Faß zum Überlaufen zu bringen. So genügte es, wenn ein Mitschüler auf dem Pausenhof zufällig seinen Arm streifte, um launisch loszubrüllen. Zog sich der Gemaßregelte nicht sofort zurück zeigte sich Muscarius dermaßen erregt und unbeherrscht, daß er wütend und gehässig auf ihn einzuschlagen begann. Gegenwehr reizte ihn noch mehr, und so konnte sich Muscarius ohne weiteres in ein rasendes Delirium steigern. Hatte er sich auf diese Weise ausgetobt, war er hinterher schlaff, matt und wie betäubt.

Nachdem Muscarius erwachsen war, zeigte sich in seinem Verhalten keine wesentliche Veränderung. Immer noch war er ein ausgesprochener Morgenmuffel, der abends manchmal nicht zu bremsen war. Er verbrachte viele durchzechte Nächte, in denen er fröhlich Karten spielte und in einem endlosen Monolog verwaschend und nuschelnd seine Verse zum besten gab. Wenn er in seinem Redefluß großartige Prophezeihungen machte, sperrten seine Kameraden Augen und Ohren auf und wollten Näheres darüber wissen. Aber Muscarius beantwortete nicht eine einzige Frage, sondern sprang zur allgemeinen Verwirrung stattdessen schon wieder auf ein völlig anderes Thema über.

Manchmal war Muscarius völlig von Sinnen, wenn sein Magen nicht in Ordnung war. Er empfand ein drückendes Gewicht wie von einem schweren Klumpen in der Magengegend und mußte immer wieder Luft aufstoßen. Das genügte ihm bereits, um eine unheilbare Krankheit wie Magenkrebs zu befürchten und sich sowie seine ganze Umgebung mit seiner ungeheuren Furcht verrückt zu machen. Er begann damit, alles mit Krankheit und Tod zu assoziieren, weil das wohl das ergreifendste Thema für ihn war.

Nicht immer war Muscarius am Abend gut aufgelegt. Er konnte auch völlig nervös und erschöpft von der Arbeit nach Hause kommen, ein Krabbeln, Kriechen und Ameisenlaufen unter seiner Haut spüren und dennoch in diesem Zustand zum Kartenspielen gehen. Dann war er unruhig, kratzte und schruppte seine beißende und kribbelnde Haut oder einen Schmerz, als ob eiskalte Nadeln ihm unter die Haut fuhren. Gelegentlich zwinkerte, blinzelte oder zuckte er zusammen, was beim Kartenspielen sehr verhängnisvoll werden konnte, weil es eine verbotene Information an den Partner, und damit wie ein Betrug an der Gegenpartei aussah. Bei einer solchen Gelegenheit wagte es ein Mitspieler, Muscarius zu Ordnung und Solidarität zu ermahnen. Muscarius reagierte daraufhin wie ein Stier, der ein rotes Tuch sah, und tobte wie wahnsinnig in ungeheurer Zerstörungswut herum. Zu später Stunde torkelte und stolperte er dann in berauschtem Zustand nach Hause.

Der Morgen spielte sich natürlich noch wesentlich schlimmer als in seiner Kindheit ab. Er fühlte sich hundeübel und war total verzweifelt. Aber dennoch blieb ihm nichts anderes übrig, als sich depressiv auf den Weg zur Arbeit zu machen. Muscarius mußte Montagearbeiten durchführen, wobei er gelegentlich auch Tätigkeiten im Freien zu erledigen hatte. Bei solchen Gelegenheiten reichte im Winter eine Unterkühlung aus, um Erfrierungserscheinungen an den Ohren, im Gesicht sowie an Händen oder Füßen aufzuweisen. Während die Berufsgenossenschaft eine angemessene Entschädigung für seine Frostballen und die meisten Erfrierungen bezahlte, weigerte sie sich gleichzeitig, auch seine rotlaufende Nase als Berufsleiden anzuerkennen. Sinngemäß teilte man ihm mit, daß ein anderer, völlig unpopulärer Grund als Ursache für seine Knollennase in Frage käme.

Obwohl Muscarius verheiratet war, kam es eines Tages zu einem ungewollten Flirt. Muscarius blinzelte und zwinkerte aus Nervosität vor sich hin, was eine Frau wohl mißverstand, denn sie verwickelte ihn sofort in ein anzügliches Gespräch. Dabei kam Muscarius` Lüsternheit an die Oberfläche und konnte nicht mehr eingedämmt werden. Er folgte ihr in die Wohnung, wo er sich ziemlich gierig an sie heranmachte. Allerdings ließ seine Potenz plötzlich sehr zu wünschen übrig, was die aufgeheizte Stimmung schnell abflauen ließ. Als er auch noch daran dachte, wie fürchterlich er sich nach dem letzten Koitus vor einem Jahr gefühlt hatte, konnte keine Begeisterung mehr in ihm aufkommen. Damals war er vor Schwäche beinahe ohnmächtig geworden und hing tagelang schlaff und matt mit schlimmsten Depressionen herum.

Dieser Gedanke verdarb ihm letztendlich jeglichen Appetit auf Sex und veranlaßte ihn, sich in einem günstigen Augenblick schnellstens aus dem Staub zu machen. Fluchtversuche gehörten schließlich zu seinen Spezialitäten, wenn er keine andere Möglichekeit mehr sah, um sich die nötige Freiheit zu verschaffen. Leider hatte er in seiner Verwirrung die Schuhe vergessen und mußte deshalb trotz Schnee und Kälte barfuß nach Hause laufen. Zitternd und schnatternd fiel ihm ein, daß die neuen Frostballen auf das Konto der Berufsgenossenschaft gingen, weil es wohl eine "Säufernase", aber keine "Säuferfüße" gab. Dieser Schabernack heiterte ihn trotz Eiseskälte auf. Hüpfend, springend und singend bewegte er sich seinem Heim entgegen, wobei er wieder poetisch wurde. Glucksend und lachend sang er seine Reime in die Nacht hinaus.

Ohnmacht und Depression - welcher Mann will das schon ? Ist dein Pilz klein und schlapp - haust du am besten ab !

AGARICUS BEI ANDREAS KRÜGER

ANDREAS KRÜGER hat Agaricus an einem Homöopathischen Sonntag in der Samuel-Hahnemann-Schule wie folgt beschrieben : „ Agaricus ist in vielen Fällen ein Objekt der Zerstörung im Wald. Irgendwie bringt der Fliegenpilz die Menschen immer wieder dazu, ihn zu zerstören. Warum dies so ist, werde ich versuchen darzustellen. Es war übrigens nicht immer so. In alten Zeiten, als das alte Volk lebte, war Agaricus eines der höchst verehrtesten und teuersten Naturgüter, das in unseren Wäldern wuchs. Für einen Pilz wurde in Lappland teilweise der Gegenwert von 7 Rentieren geboten. Agaricus war ein Kleinod, war ein großer Reichtum, wenn man ihn besaß. Denn er öffnete einen Zugang in Welten, die für die damaligen Menschen mindestens so wichtig waren (wenn nicht noch viel wichtiger) wie ihre eigentliche Lebensrealität. Sprich, diese anderen Welten waren eigentlich viel mehr ihre Lebensrealität als die Realität, die wir sehen und anfassen können. Ein Symptom von Agaricus ist, daß die Realitäten fließend sind. Es ist für einen Agaricus-Menschen schwer zu sagen, was denn nun die eigentliche Realität ist. Agaricus ein Mittel ist für Menschen, die träumen können. „Das ist ein Träumer“ könnte ein zentrales Agaricus - Symptom sein. Ein Mittel für verträumte Kinder und Erwachsene. Für kindische und kindliche Erwachsene. Ein weiteres Leitsymptom von Agaricus ist, daß Agaricus - Menschen Elementarwesen sehen können, mit ihnen in Kontakt sind.

Das Reich von Agaricus ist nicht das Reich der phosphorischen Engel, sondern das Reich der Zwerge, der Gnome, der Salamander. Also das Reich der Erd- und Waldbewohner. Es ist - und in den alten englischen und irischen Mythen wird es direkt so genannt - das Reich des alten Volkes, des Volkes, das vor uns in diesen Ländern lebte, und mit Magie, mit Naturkräften, mit Erdkräften umging in einer Art und Weise, wie wir uns das heutzutage fast gar nicht mehr vorstellen können. Ein großer Geomant und Erdforscher hat mal gesagt, daß dies ein Dilemma unserer heutigen Zeit ist, ein Dilemma unserer ökologischen Katastrophe, ein Dilemma unseres seelischen Niedergangs. Wir Menschen müssen heute erleben, daß sich dieses alte Volk, daß sich diese Elementarkräfte immer weiter von uns zurückziehen. Mit jeder Straße, die durch ihr Reich gebaut wird, mit jedem Wald, der abgeholzt wird, mit jedem Atomkraftwerk, das gebaut wird, zieht sich dieses Volk zurück von uns und entzieht uns den Schutz seiner Kräfte. Dies ist so dramatisch, weil dieses Volk die Aufgabe hat, die Welt und auch uns - solange wir uns in diese Welt einpassen - zu hüten. Sie wollen mit dieser Welt, die zerstört wird, die sich selbst eliminiert, die sich selbst umbringt, nichts mehr zu tun haben.

Agaricus - Menschen scheinen also nicht mehr in diese Welt zu passen. Sie ziehen sich zurück, sie werden Eigenbrötler, sie gehen aufs Land, in der Hoffnung, daß es da noch ein Fleckchen gibt, wo keine Cola-Büchsen hinterherkommen. Aber sie sehen natürlich auch dort, daß es eine Illusion ist. Und dann wählen viele den letzten Rückzug, den es gibt, nämlich den Rückzug in den Alkohol. Agaricus ist somit eines der wichtigsten homöopathischen Mittel bei Alkoholismus. Es ist ein Mittel für Menschen, die scheinbar nicht mehr in diese Welt passen. Und das Furchtbare ist, daß Agaricus - Menschen überhaupt keine Möglichkeit haben, mit Alkohol halbwegs „normal“ umzugehen, weil ihnen scheinbar ein Enzym ( Alkoholdehydrogenase, ein Leberenzym welches Äthanol zu Acetaldehyd abbaut ) fehlt. Bei den Indianern hat man diesen Enzymmangel festgestellt. Und die Indianer sind ja auch so ein altes Volk, das irgendwie mit dieser Zeit jetzt ganz schwierig umgehen kann. Der Alkohol war dann ja auch eine der wichtigste Waffen des weißen Mannes, um die Indianer gezielt ihres Landes zu berauben. Ich habe mir sagen lassen, daß wenn man heutzutage durch Reservate fährt, mit wenigen Ausnahmen, man also so viel sturzbetrunkene Ureinwohner sieht, daß es einem wirklich das Herz bluten läßt. Auch in Finnland soll der Alkoholismus weit verbreitet sein. Wobei die Finnen ja auch irgendwie mit diesem alten Volk zu tun haben. Alkohol und die Unfähigkeit mit Alkohol umzugehen, schwerer Alkoholismus und die Gewalttätigkeit im Alkoholrausch sind typische Symptome für Agaricus.

Agaricus muscarius ist die ureigenste Initiationsdroge der nördlichen Halbkugel. Es ist der Stoff, der hauptsächlich auf der nördlichen Halbkugel zur schamanistischen Initiation benutzt wurde. Und auf eine sehr eigenartige Art und Weise, weil er eben sehr wertvoll war: Aß der oberste Schamane der Sippe (des Stammes) den Pilz, urinierte nach einiger Zeit in eine Schale, gab diesen Urin dem ersten Schamanenschüler zu trinken. Der trank diesen Urin und urinierte nach einiger Zeit wieder in eine Schale. Der Urin sollte bis zum Siebten in Reihenfolge angeblich noch rauscherzeugend gewesen sein. Also Urin trinken und Agaricus scheinen etwas miteinander zu tun zu haben. ( siehe Kapitel Pharmakologie und Toxikologie )

Rausch und Umgang mit Rausch sind wichtige zentrale Themen von Agaricus. Neben dem Alkoholrausch und dem schamanistischen Rausch gibt es auch den psychedelischen nichtschamanistischen Rausch. Viele Menschen, die psychedelische Drogen nehmen (und das sind ja in den letzten 20 Jahren eine ganze Menge gewesen), haben immer wieder Erlebnisse, die sehr eng an den Rand des Irrsinns gehen, ja oft Irrsinnszustände zurücklassen. Im normalen psychedelischen Slang nennt man das „Horrortrips“. Und Agaricus ist eines der wichtigsten Mittel für die Folge von Horrortrips. Auch andere Mittel können für die Folge von Horrortrips hilfreich sein. Hierzu gehören Cannabis indica (in Deutschland ja verboten) und Stramonium. Agaricus ist dabei eines der am häufigsten gebrauchten Mittel. Diese Horrortrips ( syn. Flash backs ), wo horrortripartigen Erscheinungen immer wieder auftreten, können noch Jahre nach der Einnahme der psychedelischen Droge auftreten.

Ein Beispiel dafür ist ein Patient, der immer, wenn er LSD nahm und eine ganz bestimmte Musik hörte, immer Drachen im Zimmer hatte. Wenn er auf dem Bett lag, war das nicht so schlimm. Wenn die Drachen durch das Zimmer stolzierten, und er sich die Drachen anschaute und sich mit ihnen unterhalten konnte. Dann nahm er keine psychedelischen Drogen mehr, wurde ein normaler Familienvater, aber erlebte dann irgendwann, 20 Jahre später mitten beim Fahren auf der Autobahn, ein Horrorerlebnis, als durch Zufall wieder im Radio seine Musik lief. Kaum lief diese Musik, hockte ein solcher großer feuerspeiender Drachen bei ihm auf der Kühlerhaube. Bei 140 auf der Autobahn! Er sagte, er habe noch nie so schnell gebremst, denn man sieht schlichtweg nichts mehr, wenn so ein Vieh auf der Kühlerhaube sitzt und gegen die Windschutzscheibe pustet. Das war sicher ein sehr extremer Fall von Flashback, aber auch wesentlich harmlosere Fälle können das Leben eines Menschen schon ziemlich irre gestalten. Agaricus ist also auch ein Mittel für Irrsinn, der ausgelöst wird durch psychedelische Drogen. Leute, die durch psychedelische Drogen irre werden, Leute, die nach Horrrortrips durch psychedelische Drogen tief verstört, krank ängstlich, desorientiert sind. Leute, die selbst nach Jahren mit einem Mal solche Erlebnisse wieder haben.

Agaricus ist auch eines der wichtigsten Mittel für außerkörperliche Erfahrungen. Erfahrungen z.B. von Auflösungserscheinungen des Körpers. Das hört sich erst einmal ganz nett an: „Ach ja, der Körper löst sich auf.“ Diese schwere irdische Last, wir lassen sie los. Aber wer das mal erlebt hat, wenn man irgendwie in fröhlicher Runde irgendeine Art von psychedelischer Droge genommen und mit fröhlicher Musik und netten Freunden den Abend verbracht hat - alles kreiste, alles bewegt sich, alles war schön bunt. Dann geht man nach Hause, man legt sich hin. Man nimmt seine 5-er Valium, denkt, jetzt kann man gut schlafen bis morgen früh. Mit einem Mal wacht man auf und stellt fest, daß sich die Beine und die Arme ungefähr zehn Zentimeter vom Körper getrennt haben. Man will seine Arme und Beine bewegen, und sie bewegen sich einfach nicht mehr. Denn sie haben schlichtweg den Kontakt zum Körper verloren. Sie liegen zehn Zentimeter neben dem Körper, dann ist das überhaupt nicht mehr lustig. Auch überlegt man, wie bewege ich mich den Rest des Lebens, wenn meine Arme und meine Beine völlig vom Körper getrennt sind. Nun versucht man, die nächsten zwei - drei Stunden irgendwie mit einer wahnsinns Willensanstrengung die Arme und Beine wieder an den Körper heranzubekommen. Und wenn man Glück hat, gelingt es auch. Wenn man Pech hat, kommt irgendein Tier und frißt den Arm auf, und dann muß man das restliche Leben ohne einen Arm rumlaufen. Agaricus - Zustände sind Zustände, die für psychedelisch unvorbelastete Menschen äußerst schwierig vorstellbar sind.

Im initiatischen schamanistischen Agaricus - Rausch steigt der Schamane in die Geisterwelt hinab. Sein Leib wird völlig auseinandergenommen. Das Fleisch wird völlig von den Knochen abgeschabt. In einigen Initiationskulturen wird das Fleisch von den Wölfen der Unterwelt aufgefressen. Dann setzten die Geister den Leib des Schamanen wieder zusammen. Der Unterschied ist der, daß der Schamane, der hier initiiert wird, durch seinen Lehrschamanen jahrelang auf dieses Ritual vorbereitet worden ist. Man hat ihm ganz genau erklärt, was jetzt passiert, und wie er sich verhalten muß, und welchen Zauberspruch er denken muß, wenn sie ihm das Fleisch von den Knochen abkratzen. Er ist regelrecht vorbereitet worden auf diese Initiation. Wenn ein junger Mensch mit 17 Jahren in die Disko geht, und ihm irgend jemand für 27,50 DM eine Pille andreht, und er irgendwie - weil ihn vielleicht heute abend seine Freundin verlassen hat, und Bier zu teuer ist - so eine Pille nimmt und dann erlebt, daß man ihm das Fleisch von den Knochen kratzt - dann ist dieser Mensch überhaupt nicht darauf vorbereitet. Wenn er Glück hat, findet er noch jemand, der ihn schnell in die Akutpsychiatrie bringt, weil er sonst wirklich arm dran ist. Ja er kann durch dieses Erlebnis verrückt werden.

Das Problem ist nicht die psychedelische Droge an sich, ist nicht der Pilz an sich, sondern die Art des Umgangs und das Wissen darum. ( Wobei dies zum Verständnis von Agaricuszuständen sicher eine richtige Aussage ist, die man auf psychedelische Drogen ansonsten meines Erachtens nicht anwenden kann ).Agaricus hat zu tun mit einem tiefen okkulten Wissen um die psychedelischen Kräfte der Pflanze. Es ist ein Mittel für Schamanen, und die, die es werden wollen. Es ist ein Mittel für all jene, die diesen Kräften ausgesetzt worden sind, ohne darauf vorbereitet worden zu sein. Ich habe schon mehreren Leuten Agaricus gegeben, die eben auf psychedelische Drogen scheinbar irreversible Schäden zurückbehalten haben, die ihre Lebenstüchtigkeit massiv eingeschränkt haben. Bis hin zu psychotischen Zuständen nach Einnahme von psychedelischen Drogen. Diesen Patienten hat in vielen Fällen Agaricus geholfen.

Noch ein zentrales Symptom von Agaricus ist es, sich in dieser Welt nicht zurecht zufinden. Das Gefühl zu haben, diese Welt ist nicht die unsere und eigentlich ist man 500 Jahre zu spät auf die Welt gekommen. Das Gefühl, diese Welt ist zu voll, das Gefühl, diese Welt ist zu schnell, und das Gefühl, diese Welt ist beängstigend unendlich. Es ist ein zentrales Symptom von Agaricus, Angst vor Unendlichkeit und das Verlangen nach Endlichkeit zu haben. Das Verlangen nach Grenzen, nach Hülle, nach einer schützenden Wohnung, am besten eine Souterrain-Wohnung. Agaricus lebt leidenschaftlich gern im Souterrain. Ihr wißt alle, was Souterrain ist? Das sind diese halben Erdhöhlen. Wo man dann, wenn man sich an sein Zimmerfenster stellt, auf die Höhe herausgucken kann. Agaricus liebt Souterrain-Wohnungen, denn die haben sowas Umhüllendes. Wenn Tuberculinum am liebsten auf dem höchsten Hochhaus der Stadt, auf der Dachterasse im Penthaus wohnt, zieht es Agaricus in die Erde hinein, am liebsten in höhlenartige Wohnanlagen. Agaricus hat es auch gern etwas enger, liebt es überhaupt nicht, wenn die Zimmer zu groß sind.

Es gibt ein Volk, was wie kein anderes Agaricus darstellt und repräsentiert in seinen Lebensgewohnheiten - und dieses Volk sind die Hobbits. ( Über Hobbits und Zwerge wird im Kapitel Märchen und Mythologie berichtet ) So ähnlich ist der Agaricus - Typus auch als Mensch. Diese Welt mit ihrer Schnelligkeit, mit ihrer Unbegrenztheit macht dem Agaricus - Menschen große Angst. Viele Menschen nehmen ja psychedelische Drogen, um sogenannte „Einheitserlebnisse“ oder „Unendlichkeitserlebnisse“ zu haben.

Ein Patient, der durch eine Psychotherapie an große Ängste gekommen ist aus früheren psychedelischen Experimenten, die er als junger Mensch vorgenommen hatte, ging dann in einen Vortrag eines Physikers.Er hörte von dem eine Geschichte über die Unendlichkeit des Universums. Der Physiker erzählte ihm eine Unendlichkeitsgeschichte („Und danach kommt dann noch das, und danach kommt dann noch das, und danach kommt dann noch das,....“), und er sagte, er hatte mit einem Mal das Gefühl, daß er die Tür seiner kleinen gemütlichen Wohnung aufmachte. Er machte die Tür auf und vor dieser Tür war nur noch das absolute Universum, es gab nur noch Unendlichkeit nach vorne, Unendlichkeit zu den Seiten und Unendlichkeit nach unten. Er wußte, wenn er jetzt einen Schritt weitergeht, fällt er in den absoluten Wahnsinn. Er sprang zurück, warf die Tür zu und schwor sich, diese Tür nie wieder aufzumachen. Ich habe ihm dann Agaricus gegeben, und es hat ihm sehr geholfen.

Das ist so eine typische Agaricus - Situation. Man hängt in dieser Tür und vor einem ist die absolute Unendlichkeit. Erlebnisse, wo natürlich andere Psychedeliker oder sonstige Meditierer sagen „das ist ja wunderbar, das ist ja nur noch einen Schritt in die Buddhaschaft“. Was für den einen der Weg in die Buddhaschaft ist, ist für den anderen der Schritt in die Gummizelle, und das muß man einfach realistisch sehen. Buddha werden mag nicht schwer sein, Buddha sein dagegen sehr. Es ist eben nicht für jeden gleich der Weg zur Erleuchtung. Für Agaricus ist das mit der Unendlichkeit nicht so sehr angesagt.

Wenn wir Agaricus - Menschen noch nicht so sehr gut kennen, und wir noch nichts von ihren Ängsten wissen, dann wirken sie so ein bißchen auf uns wie öko-müslihafte Spießbürger. Sie sind sehr abgegrenzt, sehr heimelig, sehr mit den Dingen von Erde und Natur beschäftigt. Sie scheinen sehr auf Sicherheit und sehr auf Harmonie bedacht zu sein. Agaricus - Menschen sind ebenfalls auf ihre Familie orientiert und stark auf die Natur besonnen. Ihr Garten, ihre Kräuter, die sie selbst sammeln, die sie selbst trocknen, die gesamte Natur ist für Agaricus - Menschen ganz wichtig.. Es soll ein ganz wichtiges Mittel für leidenschaftliche Pilzsammler sein. Wobei sich dies nicht auf Psychedeliker, sondern eher auf Steinpilz und Pfifferling-Sammler bezieht. Agaricus ist ein Mittel für Leute, die ganz in der Natur leben und leben wollen. “

MÄRCHEN UND MYTHOLOGIE


RUMPENSTILZCHEN

Ein typisches Agaricusmärchen ist RUMPELSTILZCHEN. Nicht nur weil es um einen Zwerg geht, sondern auch wegen der Magie, der Zauberei und dem verrückten Jähzorn, den wir beobachten können.

Das Thema der Rumpelstilzchen-Geschichten, dies kleine "graue Männlein" hat in allen europäischen Sprachen Namen, die nur das unpersonale Zwitschern und Trudeln der Naturstimmen andeuten, z.B. Tom Tim Tot in England, oder Terrytop, Dütteldüssgen, Zirkzirk, Fidlefitchen, Titeliture oder Tarandanto. Die Nennung des Namens ist Erkenntnis und somit also Bannung der Bedrohung der Naturkräfte oder Seelendämonen. Die Kirche spricht dies im sakramentalen Exorzismus mit dem " dicas mihi nomen tuum " an, sage mir deinen Namen !.

TOLKIENS HOBBITS

Nach ANDREAS KRÜGER sind in der Mytholgie Tolkiens zwei Völker typische Agaricus-Völker, was ihre Erdverbundenheit und ihre Lebensweise angeht, wobei diese zwei Völker die Hobbits und die Zwerge sind. Beide Völker der Mythologie verkörpern eine Verbindung zu den Erdkräften, die Agaricus auszeichnet.

J.R.R. TOLKIEN beschreibt im Herrn der Ringe die Hobbits wie folgt : „ Die Hobbits sind ein unauffälliges, aber sehr altes Volk, das früher zahlreicher war als heute; denn sie lieben Frieden und Stille und einen gut bestellten Boden: eine wohlgeordnete und wohlbewirtschaftete ländliche Gegend war ihr bevorzugter Aufenthaltsort. Kompliziertere Geräte als einen Schmiede-Blasebalg, eine Wassermühle oder einen Handwebstuhl verstehen und verstanden oder mochten sie auch nicht, obwohl sie mit Werkzeugen sehr geschickt umgingen. Selbst in den alten Zeiten empfanden sie in der Regel Scheu vor dem „Großen Volk“, wie sie uns nennen, und heute meiden sie uns voll Schrecken und sind nur noch schwer zu finden. Sie haben ein feines Gehör und scharfe Augen, und obwohl sie dazu neigen, Fett anzusetzen und sich nicht unnötigerweise zu beeilen, sind die dennoch flink und behende in ihren Bewegungen. Von Anfang an beherrschten sie die Kunst, rasch und geräuschlos zu verschwinden, wenn große Leute, denen sie nicht begegnen wollen, dahertrapsen; und diese Kunst haben sie weiterentwickelt, bis sie den Menschen wie Zauberei vorkam. In Wirklichkeit haben sich die Hobbits niemals mit Zauberei irgendeiner Art befaßt, sich zu verflüchtigen, beruht allein auf einer durch Vererbung und Übung innigen Erdverbundenheit so vollkommenen Geschicklichkeit, daß sie für größere und plumpere Rassen unnachahmlich ist.“

Hier ist schon die Erdverbundenheit von Agaricus zu beobachten, das hängen an der Erde und die Furcht von dem plumpen und polternden modernen Menschen. Es sind auch die geheimen Kräfte, die uns mysteriös und seltsam vorkommen. So einfach wie ihre Lebensweise ist auch ihr Umgang miteinander. Ein hauptsächlicher Gruß der Hobbits ist: „Mögen die Haare auf deinem Fußrücken sprießen!“

Tolkien beschreibt weiter „ Denn sie sind kleine Leute, kleiner noch als Zwerge: das heißt, weniger stämmig und kräftig, obwohl sie es in der Länge eigentlich mit ihnen aufnehmen können. ... Was die Hobbits aus dem Auenland ... anlangt, so waren sie, solange Frieden und Wohlstand bei ihnen herrschten, ein fröhliches Volk. Sie kleideten sich in leuchtenden Farben und hatten eine besondere Vorliebe für Gelb und Grün; aber Schuhe trugen sie selten, denn ihre Füße hatten zähe lederartige Sohlen und waren mit dichtem, krausem Haar bedeckt, ähnlich ihrem Haupthaar, das gewöhnlich braun war. ... Ursprünglich hatten alle Hobbits in Erdhöhlen gelebt, oder glaubten es wenigstens, und in solchen Behausungen fühlten sie sich noch immer am heimischsten. “

Auch diese Vorliebe, in Erdhöhlen zu leben, ist eine Agaricuseigenschaft. Es drückt die Erdverbundenheit und Heimatverbundenheit von Agaricus aus. Nur wenige Hobbits haben je das Auenland, ihre Heimat, verlassen. Ihr Verbreitungsraum ist in Mittelerde relativ begrenzt. Die Gegend, in der sie wohnen, nennt man „das Auenland“. Eine sehr liebliche Gegend, hügelig mit sehr mildem Klima. Sie wohnen in Häusern , die fast Erdhöhlen sind, sind leidenschaftliche Pfeifenraucher, leidenschaftliche Esser und entfernen sich, was ein zentrales Symptom von Agaricus ist, ganz ungern von ihrer heimischen Scholle. In dieser Hinsicht ist Agaricus dem Calcium und dem Barium sehr ähnlich, es wird auch oft mit diesen beiden Mitteln verwechselt.

TOLKIENS ZWERGE

TOLKIEN hat im Silmarillion, der sogenannten Tolkien-Bibel, eine eigene Schöpfungsgeschichte geschrieben, wobei er viele der alten keltischen und germanischen Mythen eingearbeitet hat. Für Tolkien als überzeugten Katholiken war der Gedanke unerträglich, daß die Menschen mit seinen Geschichten und Mythen mit ihrer eigenen christlichen Religion in Konflikt geraten würden.

TOLKIEN berichtet im Silmarillion in der Erzählung von Aule und Yavanna wie folgt über die Herkunft der Zwerge: " Es wird erzählt, die Zwerge seien zuerst von Aule ( einem Valar, einem hohen Engel oder Gott ) im Dunkel von Mittelerde geschaffen worden; denn so sehr sehnte Aule die Kinder herbei, weil er Schüler haben wollte, die er seine Kunst und Wissenschaft lehren könnte, daß er nicht warten mochte, Iluvatars ( Eru, der Eine, der große Gott und Schöpfer ) Pläne sich erfüllten. Aule schuf die Zwerge genauso, wie sie immer noch sind, weil die Gestalt der Kinder, die kommen sollten, seinem Geiste nicht klar war und weil Melkors ( der Teufel, oberster böser Engel ) Macht noch über der Erde lag; und er wünschte daher, daß sie stark und unnachgiebig seien. Da er aber fürchtete, die anderen Valar könnten sein Werk tadeln, schuf er sie insgeheim: und als erste schuf er die Sieben Väter der Zwerge in einer Halle unter den Bergen in Mittelerde.

Iluvatar aber wußte, was geschah, und in der Stunde, als Aule sein Werk vollbracht hatte und sich freute und eben anfing, die Zwerge in der Sprache zu unterrichten, die er für sie erdacht hatte, da sprach Iluvatar zu ihm; und Aule hörte seine Stimme und war still. Und Iluvatars Stimme sagte zu ihm: " Warum hast du dies getan ? Warum unternimmst du ein Werk, wissend, daß es über deine Kraft und Befugnis geht ? Denn von mir hast du als Gabe nur dein eigenes Sein und kein andres mehr verliehen; deshalb leben die Geschöpfe deiner Kunst nur aus deinem Sein; sie bewegen sich, wenn du gedenkst, sie zu bewegen, und wenn dein Gedenken anderswo weilt, stehen sie still. Ist es das, was du begehrst ?"

Da antwortete Aule: " Nicht solche Herrschaft begehrte ich. Ich begehrte Dinge, die anders wären als ich, um sie zu lieben und zu unterweisen, so daß auch sie die Schönheit in Ea erkennen mögen, die du hervorgebracht. Denn mir schien, daß Platz ist in Arda für viele Dinge, die sich darinnen erfreuen könnten, und doch ist sie zum größten Teile noch leer und stumm. Und in meiner Ungeduld bin ich in Wahn verfallen. Doch das Erschaffen von Dingen liegt mir am Herzen, seit ich selber erschaffen wurde durch dich; und das unverständige Kind, welches spielt, was sein Vater tut, handelt nicht zum Spott, sondern weil es der Sohn seines Vaters ist. Doch was soll ich jetzt tun, daß du mir nicht immerdar zürnest ? Als Kind meines Vaters opfere ich dir diese Dinge, das Werk der Hände, die du geschaffen. Tu damit, wie du willst. Doch sollte ich nicht besser dies Werk einer Anmaßung vernichten ? "

Da nahm Aule einen großen Hammer, um die Zwerge zu zerschmettern, und er weinte. Iluvatar aber hatte Mitleid mit Aule und seinem bescheidenen Wunsche; und die Zwerge wichen dem Hammer aus und fürchteten sich; und sie neigten die Köpfe und baten um Gnade. Und Iluvatars Stimme sagte zu Aule: " Angenommen habe ich dein Opfer, sobald es gegeben war. Doch sieh nun, wie diese Dinge eignes Leben haben, und höre, wie sie sprechen mit eigner Stimme ! Wenn anders, so wären sie nicht gewichen vor deinem Schlag oder vor allem, was du befiehlst." Da warf Aule den Hammer hin und war froh, und er dankte Iluvatar und sagte: " Möge Eru mein Werk segnen und verbessern ! "

Doch abermals sprach Iluvatar und sagte : " So wie ich zu Anbeginn der Welt die Gedanken der Ainur wahrgemacht, so habe ich jetzt dein Begehren angenomen und ihm in der Welt einen Platz gewiesen; doch sonst will ich nichts bessern an deinem Werk, und wie du es gemacht, so soll es sein. Und eines will ich nicht leiden: Daß diese hier vor den Erstgeborenen meines Planes kommen, noch darf deine Ungeduld belohnt werden. Sie sollen nun im Dunkel unter dem Stein schlafen und nicht hervorkommen, solange nicht die Erstgeborenen auf Erden erwacht sind; und bis zu dem Tage sollst du warten und sollen sie warten, mag es auch lange scheinen. Wenn aber die Zeit da ist, werde ich sie wecken, und sie sollen wie Kinder zu dir sein; und oft wird es Streit geben zwischen den deinen und den meinen,zwischen meinen angenommenen und meinen erwählten Kindern."

Da nahm Aule die Sieben Väter der Zwerge und legte sie an tiefverborgenen Orten zur Ruhe; und er kehrte zurück nach Valinor und wartete, während die langen Jahre immer länger wurden. Da sie in den Tagen der Herrschaft Melkors auf die Welt kommen sollten, schuf Aule die Zwerge zäh und ausdauernd. Deshalb sind sie steinhart, dickköpfig, unbeirrbar in der Freundschaft wie im Haß, und standafter als alle anderen sprechenden Völker ertragen sie Mühsal, Hunger und Wunden; und sie leben lange, viel länger als die Menschen, doch nicht ewig. Die Elben in Mittelerde glaubten einst, die Zwerge kehrten, nachdem sie gestorben, in die Erde zurück und würden wieder zu dem Stein, aus dem sie geschaffen waren; die Zwerge selbst glauben dies nicht. Sondern sie sagen, daß Aule, der Meister, den sie Mahal nennen, für sie sorge und sie in Mandos in gesonderten Hallen versammle; und ihren Vätern soll er einst erklärt haben, Iluvatar werde sie heiligen und ihnen am Ende einen Platz unter den Kindern gewähren. Dann wird es ihre Sache sein, Aule zu dienen und ihm nach der Letzten Schlacht Arda wieder aufbauen zu helfen. Sie sagen auch, das die Sieben Väter der Zwerge in ihrem eigenen Geschlecht immer wieder zum Leben erwachen und wieder ihre alten Namen tragen; und von diesen war in späteren Altern Durin der ruhmreichste, der Vater jenes Volkes, das den Eben am freundlichsten war und das in Khazad-dum wohnte."

In TOLKIENS Bericht über die Schlacht der Ungezählten Tränen, die Nirnaeth Arnoediad, im Silmarillion : " Bis zuletzt hielten von dem Heer aus Osten die Zwerge von Belegost stand, und so gewannen sie Ruhm. Denn die Zwerge traten mutiger als Elben und Meschen dem Feuer entgegen. Ihr Brauch war es, in der Schlacht große Masken zu tragen, die gräßlich anzusehen waren, ihnen aber gut zustatten kamen gegen die Drachen." DAY beschreibt die Tolkienschen Zwerge als Bergleute, Maurer, Metallschmiede und hervorragende Steinmetze. Sie waren stark, langbärtig und zäh, aber mit einer Körpergröße zwischen vier und fünf Fuß ziemlich klein.

Ein Gedicht aus dem Herrn der Ringe :

„ Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht, Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein, Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun, Einer dem Dunklen Herrn auf dunklem Thron Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn. Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.“

Folgende Abbildung zeigt das Tor von Moria, dem Eingang zur großen unterirdischen Stadt der Zwerge unter dem Nebelgebirge. Das Tor konnte nur geöffnet werden, wenn man das Geheimwort kannte und sich als FREUND zu erkennen gab.


GEMÜTSSYMPTOME


Nach LEESER gleichen die Wirkungen von Agaricus auf Geist und Gemüt dem Erscheinungsbild, wie es unter dem Einfluß alkoholischer Getränke zustande kommt. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen den Zuständen der gesteigerten und der herabgesetzten Gemüts- und Geisteshaltung.

Bei der gesteigerten Gemütsstimmung sind die Patienten heiter und munter, sorglos bis verwirrt, erregt, reizbar und zornig. Es kann zur Neigung zu unsteter und ruheloser Beschäftigung kommen und zu auffälliger Geschwätzigkeit. Als Steigerung dieses Zustandes kann man ekstatische und rauschartige Zustände mit Singen, Schreien, Aufjauchzen, Deklamieren von Gedichten leidenschaftlichen Inhaltes, lautstarkem verkünden künftiger Ereignisse ( Prophetie ) finden. Gleichzeitig sind die Patienten nicht ansprechbar und reagieren nicht auf Anrufe oder Fragen. Als weitere Steigerung kann es zu großerLaunenhaftigkeit bis hin zum Wahnsinn, zur Tobsucht, zur Vernichtungswut, zu gewaltsamen Bewegungen und zu Kraftäußerungen kommen. Hierbei kann schon der geringste Anlaß die Patienten zum Tobsuchtsanfall bringen.

Bei der herabgesetzten Gemütsstimmung sind die Patienten gleichgültig, niedergeschlagen, verzagt und verdrießlich. Sie haben eine Abneigung gegen jede Beschäftigung und in den meisten Fällen auch gegen jede geistige Arbeit. Die Patienten haben keine Lust zum Reden, bis hin zum Delirium. Die Stimmung ist dabei verzweifelt. Die Patienten sind leicht erschöpfbar, träge und zeigen Benommenheit, Blödheit, lähmungsartige Gehemmtheit, Gedankenflucht, Verwirrung, Gedächtnisschwäche, verminderte Aufnahmefähigkeit, erschwerte Fassungskraft. Diese Gemütssymptome werden durch geistige Anforderungen, geistige Arbeit, Mangel an Schlaf verschlimmert.

LEESER beschreibt die Entwicklung des Agaricuskindes in der Weise, daß es in frühester Jugend in der körperlichen und geistigen Entwicklung verharrt. Die Kinder bleiben zurück und lernen verspätet Laufen, Sprechen und Schreiben. Sprachstörungen, Stottern und Wortverwechslungen können spätere Folgen sein. Auffallend ist der plötzliche Wechsel im Verhalten zwischen anfangs ruhigen und vernünftigen Kindern, die plötzlich ungewöhnlich eigensinnig, störrisch oder angeberisch werden. Sie können Grimassen schneiden und unwillkürlich mit den Händen gestikulieren.

DETINIS beschreibt Agaricus als eines von drei Mitteln, wo sich das Phänomen oder Symptom der Hellsichtigkeit findet. Es wird beschrieben als Kenntnis von vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Ereignissen, ohne daß eine Vermittlung durch die Sinne stattgefunden hätte. Agaricus zeigt hierbei extravagante, gesteigerte Phantasien, Ekstase, Prophezeihungen und macht Verse. Im Unterschied zu Agaricus hat Aconitum klare Visionen und Crotalus cascavella einen hellsichtigen Zustand, bei dem mit einer Person gesprochen wird, die nicht antwortet. Die Hellsichtigkeit im Arzneimittelbild zeigt eine große Ähnlichkeit zum Gebrauch von Agaricus im Schamanismus. Die Patienten fühlen sich morgens wie betäubt. Sie sind redselig und geschwätzig. Wenn man ihnen Fragen stellt, werden diese aber nicht beantwortet. Nachts kommt es zu Stumpfheit des Gemütes. Man kann Verzweiflung, bis hin zur Raserei finden.

Die cerebrale Erregung des Patienten teilt BOERICKE in 4 Stadien ein. Im 1. Stadium zeigen sich Heiterkeit, Couragiertheit, Redelust und übertriebene Phantasie. Im 2. Stadium kann es zu deutlichen Symptomen kommen. Man findet eine große geistige Erregung, unzusammenhängendes Reden, übertriebene Heiterkeit im Wechsel mit Melancholie. Der Sinn für die Größe der Gegenstände geht verloren, die Patienten machen lange Schritte und Sprünge über kleine Gegenstände, als ob sie Baumstämme wären. Ein kleines Loch erscheint wie ein schrecklicher Abgrund, ein Löffel voll Wasser erscheint als ungeheuerer See. Die körperliche Kraft ist vermehrt, die Patienten können schwere Lasten heben. Es kommt zu vielen Zuckungen. Im 3. Stadium zeigt sich ein Zustand von wildem oder wütendem Delirium, Schreien, wütendem Reden, die Patienten wollen sich selber etwas antun und ähnliches. Im 4. Stadium kommt es zu Depression, Lässigkeit, Gleichgültigkeit, Konfusion, Abneigung zu arbeiten etc.. Es findet sich eine allgemeine, nervöse Erregung wie beim Delirium tremens. Die Agaricus-Erregung ist aber nicht so aktiv wie bei Belladonna.

SCHROYENS schildert eine große Fülle von Angstsymptomen bei Agaricus. Angst abends, nachts, beim tiefen Atmen, beim Erwachen, durch Geräusche, um die eigene Gesundheit, nach der Menses, Angst die den Schlaf verhindert, Angst während des Schlafes, Angstschweiß. Man findet auch Angst vor Krebs, vor drohendem Unglück und vor Wasser. SCHLAF

Die Agaricus-Menschen leiden unter Schlafstörungen, Schläfrigkeit am Tage, Neigung zum Schlafen nach den Mahlzeiten, nächtlicher Unruhe, Schlaflosigkeit infolge schmerzhafter Empfindungen in den Gliedern. Kurz nach dem Einschlafen kann es zum Zittern und plötzlichem Erwachen und Hochfahren kommen. Die Patienten schlafen so leicht, daß sie durch lebhafte und ängstliche Träume erwachen können. Es finden sich Gähnanfälle, der Schlaf ist ruhelos und von heftigem Jucken und Brennen unterbrochen. Beim Einschlafen fahren die Patienten hoch, zucken und erwachen oft. Man findet Schläfrigkeit am Tage, Gähnen und danach unwillkürliches Lachen. Der Schlaf ist nach MEZGER schlecht und unerquicklich, trotz vorhandenem Schlafbedürfnis kann er keinen Schlaf finden. Man findet auch eine ungewöhnliche Schläfrigkeit. Der Schlaf wird oft nachts unterbrochen. Häufiges Gähnen, 2 - 3 mal in der Minute, es kann sich auch ein tiefer, wie betäubender Schlaf zeigen.

TRÄUME

Die Patienten haben lebhafte Träume. BOMHARDT beschreibt Träume von ausweglosen Situationen, von Bällen, von Blasen, von orgiastischen Festen, vom Fliegen, von Hexenverbrennungen, von fliegenden Kanonenkugeln, von Knollen, von Körperteilungen, von kreisförmigen Anordnungen, vom Lagerfeuer, davon, durch die Luft geschleudert zu werden, von Prüfungen, von herrlichen Träumen, von Urtieren, davon, verfolgt zu werden, davon, nicht voran zu kommen, vom Wasserlassen, von pulsierenden Wolken, von Zeitlupe und von zerteilten Tieren.


ORGANBEFUNDE


KOPF

Der Kopf ist bei Agaricus dauernd in Bewegung. Man findet einen dumpfen Kopfschmerz, mit Besserung bei Stuhl- und reichlichem Harnabsatz. Am Kopf zeigen sich Hautausschläge und Urticaria. Auch Kälte und Frösteln am Kopf sind zu beobachten, besonders nach dem Kratzen. Die Kopfschmerzen zeigen sich besonders am Hinterkopf, links und im Sitzen. Die Patienten müssen den Kopf hin und her bewegen. Sie haben das Gefühl wie von einem Nagel im Kopf ( vergl. Coffea, Ignatia ). Der Kopf fällt zurück, als ob ein Gewicht am Hinterkopf wäre. Man findet ein Jucken am Kopf und nach dem Kratzen das Gefühl, als ob die Stelle eiskalt wäre, oder der Wind dagegen bliese. Die Kältegefühle am Kopf werden wie eine eisige Kälte empfunden, wie von Eisnadeln. Die Patienten haben das Bedürfnis, den Kopf warm zu bedecken ( vergl. Silicea ). Man findet auch Kopfschmerzen mit Nasenbluten oder dicker Schleimabsonderung. Die Gesichtsmuskeln sind steif oder zucken, das Gesicht juckt und brennt. Es finden sich laszierende und reißende Schmerzen in den Wangen, ähnlich Schmerzen wie von Splittern. Auch Neuralgien können im Gesicht vorkommen, als ob kalte Nadeln durch die Nerven gingen oder scharfes Eis sie berühre.

ATMUNGSAPPARAT

NASE

Man findet wässrige Absonderungen aus der Nase, sowie Röte und Juckreiz der Nase. Auch eine Überempfindlichkeit und Trockenheit der Schleimhäute ist zu beobachten. Entzündungen, Geschwürsbildung und Verschorfung in der Nase können vorkommen. Bei der Sekretion aus der Nase kommt es zur Absonderung blutigen Schleimes oder zu Nasenbluten.Die Absonderungen aus der Nase können wässrig, nicht-entzündlich oder faulig sein. Ein überempfindliches Geruchsvermögen ist zu beobachten. Es kann sich auch Niesen oder ein Schnupfen finden. Die Patienten haben ein Gefühl von Wundheit in der Nase. Es findet sich ein heftiges Jucken innerlich und äußerlich in und an der Nase. Auch kann man ein spastisches Niesen nach dem Husten finden. Auffallend ist, daß die inneren Nasenecken sehr rot sein können. Zu Agaricus passt besonders ein Nasenbluten älterer Leute ( vergl. Secale cornutum ).

KEHLKOPF

Es findet sich eine Zusammenschnürung des Kehlkopfes, besonders beim Singen. Auch entzündliche Reizzustände des Kehlkopfes und der Luftröhre können beobachtet werden.

HUSTEN

Ein kitzelnder Hustenreiz mit Auswurf lockerer und kleiner Schleimmengen kann beobachtet werden. Heftige Anfälle von Krampfhusten können auftreten. Auch ein Husten, von der Wirbelsäule ausgehend, ist zu beobachten. Die Hustenanfälle können durch Willenanstrengung unterdrückt werden. Der Husten wird beim Essen verschlimmert, und nach dem Husten finden sich oft Kopfschmerzen. Der spastische Husten tritt oft nachts, besonders nach dem Einschlafen auf. Es findet sich ein Auswurf von kleinen Schleimklumpen beim Husten. Ein mühsames und beklommenes Atmen ist zu beobachten. Der Hustenanfall endet oft mit einer Niesattacke.

BRUST

In der Brust sind Beklemmungen zu beobachten, besonders in der Zwerchfellgegend. Die Beklemmungen werden wahrgenommen, als ob der Thorax verengt wäre. Es kann auch zu Erschütterungen in der Herzgegend kommen. Auch Schmerzen, wie von einem Splitter im Bereich der rechten unteren Rippen können auftreten, sowie Druck und Schmerzen in der Brust. Das erschwerte Atmen und ein Zusammenschnürungsgefühl mit dem Bedürfnis, tief einzuatmen, sind zu beobachten. Besonders unangenehm ist dieses Gefühl in den unteren Brustregionen. Auch Symptome ähnlich der Lungentuberkulose können auftreten.

HERZ UND KREISLAUF

Anfangs finden sich bei Agaricus vermehrte und beschleunigte Herschläge sowie ein fühlbares Herzklopfen, wobei die Energie des Herzens vermindert sein kann. Auch Druckempfindungen am Herzen, anfallsweise Beklemmungs- und Einengungsgefühle können auftreten. Es finden sich auch stechende, brennende und schießende Schmerzen mit Ausstrahlung zum Hals, zum linken Arm und zum Schulterblatt, ähnlich einem Herzinfarkt. Die Herzsyptome verschlimmern sich in Ruhe, im Sitzen und im Liegen. Nach dem Genuß von Tabak kommt es zu einem irregulären, tumultartigem Herzklopfen. Das Herzklopfen ist mit einer Rötung des Gesichtes verbunden. Später entwickelt sich eine zunehmende Erschlaffung des Herzens mit kleinen, ungleichmäßigen und unregelmäßigen Herzschlägen. Der Puls kann sogar aussetzen, sich verlangsamen, weich und fadenförmig werden. Der Puls kann unregelmäßig sein, besonders nach dem Stuhlgang.

Man findet Blutstauungen und Blutfülle in den großen Gefäßen bei gleichzeitiger Erschlaffung der Kapillaren und krampfhafter Kontraktion der kleinen Arterien. Die Haut kann dadurch ein blasses oder bläuliches Aussehen bekommen und sich kalt anfühlen, besonders im Gesicht. Man kann eine Neigung zu Blutungen unter der Haut finden. Ebenso kann es zu Blutungen aus der Nase und in die Gebärmutter kommen. Das Blut, welches austritt, ist dick und dunkel.

VERDAUUNGSAPPARAT

ZÄHNE

Agaricus-Patienten zeigen oft stechende Zahnschmerzen. Der Schmerz ist dabei fein-stechend, und die Schmerzen erstrecken sich bis zum Kopf. Agaricus-Zahnschmerzen treten besonders auf der rechten Seite und besonders am Unterkiefer auf.

MUND

Man kann einen üblen und fauligen Mundgeruch finden und einen latschigen oder bitteren Geschmack. Das Zahnfleich und die Mundschleimhaut können geschwollen, empfindlich und schmerzend sein und bluten leicht. Die Zunge ist blaß und kann einen dünnen weißlichen oder gelblichen Belag aufweisen. Die Patienten haben das Gefühl, die Zunge würde wie ein Kloß im Mund liegen. Man findet vermehrten Speichelfluß und Krämpfe in den oberen Speisewegen, sowie Sprechstörungen. Man kann einen Splitterschmerz in der Zunge finden und ein Gefühl, als ob die Zähne zu lang wären. Man findet ein Brennen und Schmerzen auf den Lippen. Es kann auch zu Herpes labiales, Zucken der Lippen und Apthen am Gaumendach kommen. Die Patienten haben einen süßen oder bitteren Geschmack im Mund, manchmal auch den Geschmack nach Äpfeln. Auch sind sie dauernd durstig, und die Zunge kann ein Zittern zeigen.

HALS

Das Schlucken ist bei Agaricus oft schwierig, mit einem Gefühl im Hals, als ob der Hals zusammengezogen ist. Auch eine Trockenheit des Rachens ist zu finden. Aus dem Hals werden kleine und feste Schleimklumpen beim Husten hochgeschleudert. Die Patienten fühlen Kratzen im Hals. Sie können dabei nicht einen Ton singen. Auch Stiche entlang der eustachischen Röhre ( Tuba auditiva ) zum Ohr hin können sich zeigen.

MAGEN

Am Magen kann es zu spastischen Zuständen und krampfartigen Schmerzen kommen. Dabei können sich Ekel, Übelkeit, Würgen, Brechen, vermehrtes leeres Aufstoßen, Schluckauf und Völlegefühl zeigen. Es kann auch zu einem Gefühl von Druck, Ziehen oder Schneiden im Bereich der Magengrube kommen. Auch Hungergefühl oder lebhafter sowie mangelnder Appetit können auftreten. Agaricus zeigt oft einen brennenden Durst, wobei es zu Anfällen von Heißhunger mit begleitenden Schweißausbrüchen und Gliederzittern kommen kann. Ein nagendes Gefühl im Magen, wie von Heißhunger, kann auftreten. Der Appetit fehlt, besonders nach dem Koitus. Auftreibungen von Magen und Abdomen durch Gase können beobachtet werden. Ein Brennen im Magen, ungefähr drei Stunden nach einer Mahlzeit, ist zu beobachten, welches sich zu einem dumpfen Druck wandelt. Auch Magenstörungen mit scharfen Schmerzen in der Lebergegend sind zu beobachten. Man findet ein Verlangen nach Bier, Brot und Butter, kalten Getränken, Salz, Eiern und süßen Nahrungsmitteln. Eine Abneigung gegen Brot, Fleisch, gebratenes Fleisch, Getränke und Wein kann beobachtet werden.

DARM

Im Abdomen finden sich starke Auftreibungen mit Tympanie und Meteorismus. In den Därmen finden sich Kollern und Poltern und Abgang reichlicher, übelriechender oder stinkender Gase. Die Darmgase riechen manchmal auch nach Knoblauch. Man kann auch Stiche in der Leber- und der linken unteren Rippenregion finden. Der Stuhl ist anfangs dunkel, geformt, knotig, fest und hart. Später wird der Stuhlgang breiig, schleimig oder dünn. Durch verstärkte Fäulnis im Darm kommt es zu pastösem, schleimigem und braunem Stuhl mit fauligem Geruch. Die Neigung zu plötzlichen, massiven Durchfällen ist auffällig. Auch ein erfolgloser Stuhldrang ist möglich, mit angestrengten, schmerzhaften Versuchen ( vergl. Nux vomica ). Es kann sich auch ein Brennen, Kribbeln und Jucken am After finden. Der Abgang von Stuhl und Blähungsgasen bessert die Kopf- und Bauchschmerzen.

Zu Agaricus passen auch akute Durchfälle nach Anstrengung und Aufregung, sowie nach Kälte. Es kommt bei den Durchfällen auch zu stechenden Bauchschmerzen. Bei übelriechendem Stuhl finden sich geruchlose Blähungen, was ein sehr hochwertiges Symptom ist. Im Rectum findet sich das Gefühl, als ob es zerreißen, oder als ob es platzen würde. Dieses Gefühl ist auch noch nach dem Stuhlgang zu spüren.

ABDOMEN

Zu Agaricus passen hier stechende Schmerzen in Leber, Milz und Abdomen. Auch Stiche unter den Rippen links können beobachtet werden. Eine starke Aufblähung des Abdomens, verbunden mit Kollern und Unruhe im Bauch sind zu beobachten.

HARNAPPARAT

Es kann zum vermehrten Harndrang kommen, wobei der Harnabgang vermindert oder stockend sein kann. Oft ist ein Absetzen des Harns für die Patienten nur im Sitzen möglich. In der Harnröhre kann es zur Kälteempfindlichkeit kommen. Auch Blasenkrämpfe und ein spontaner nächtlicher Harnabgang ( Enuresis ) sind möglich, besonders beim älteren Patienten. Auch eine Dysurie ( Fehlharnen ) und Schmerzen beim Wasserlassen können sich finden. Der Urin ist oft milchig, besonders am Nachmittag. Auch ein spärlicher Urin kann gefunden werden, besonders bei nervösen Frauen. Es kommt zum Gefühl, als ob der Urin kalt wäre. Auch Stiche in der Urethra können zustande kommen.

Als sykotische Merkmale finden sich nach ALLEN Symptome einer alten Gonorrhoe, oder eines postgonorrhoischen Schleimausflusses. Die Organe sind dabei kalt, zusammengeschrumpft oder schlaff. Eine sehr schmerzhafte gonorrhoische Harnröhrenentzündung kann dabei auftreten, mit Jucken und Kribbeln in der Harnröhre. Der Harn fließt langsam oder tröpfelt und ist häufig milchig. Der Ausfluß kann als weißer Schleim erscheinen, aber auch blutig sein. Ein einzelner Tropfen des Ausflusses erscheint am Morgen ( vergl. Sepia,Medorrhinum ).

MÄNNLICHE GESCHLECHTSORGANE

Bei Männern kommt es oft zu Symptomen gesteigerter Erregung. Hierzu gehören heftige und anhaltende Erektionen mit spontaner Ejakulation. Auch ein Ziehen und Krämpfe im Bereich von Samensträngen und Hoden können auftreten. Eine Kitzelempfindung an Penis und Hodensack ist ebenfalls zu finden. Auch bei schlaffem Glied kann sich ein starker sexueller Trieb finden. Trotz starker Erregung finden sich Impotenz und Symptome sexueller Schwäche. Eine mangelhafte Empfindung des Koitus und Orgasmusprobleme bis hin zum Fehlen des Orgasmus können auftreten. Nach dem Koitus leiden die Agaricuspatienten unter ungewöhnlicher Schwäche, anhaltender Mattigkeit und großer Erschöpfung. Es kann auch zu Schlafsucht, tagelangen Verstimmungen und Depressionen kommen. Die Sexualsymptome verschlimmern sich durch sexuelle Überforderung. Man findet das Gefühl, als ob die Samenflüssigkeit beim Erguß heiß wäre. Während des Verkehrs kann sich das Gefühl eines Brennens in der Harnröhre zeigen, als ob diese wund wäre.

Als sykotisches Symptom kommt es zumVerlust der sexuellen Kraft bis zur vollständigen Impotenz. Es findet sich eine geschlechtliche Erregung bei gonorrhoischer Harnröhrenentzündung mit schmerzhaften Erektionen. ALLEN beschreibt bei alten Sykotikern, zu Agaricus passend, daß diese durch übermäßige Befriedigung und geistige Ausschweifungen ein geistiges Wrack geworden sind. Ähnlich Agnus castus sind die Genitalien kalt und eingeschrumpft. Die Patienten können an Rückenmarksreizungen durch die Selbstbefriedigung leiden, wobei man hier natürlich aufpassen muß, inwieweit unsere alten homöopathischen Lehrmeister bei der Schilderung solcher Symptome nicht auch nur ihrem Zeitgeist folgen..

ALLEN beschreibt als Beispiel den Fall eines Mannes, 50 Jahre alt, groß, mager, mutlos, niedergeschlagen und mit Todesangst. Der Patient hatte seit sechs Monaten eine Gonorrhoe. Der Ausfluß ist gelblich und schleimig mit quälenden Schmerzen entlang des Samenstranges. Der Patient hat eine vollständige Impotenz, der Penis ist klein und schlaff, die Geschlechtsorgane sind kalt und schlaff. Zweimal wöchentlich hat der Patient einen Samenerguß, Er befürchtete zu sterben oder unheilbar krank zu sein. Durch Agaricus wurde der Patient geheilt.

WEIBLICHE GESCHLECHTSORGANE

Man findet auch bei Frauen eine sexuelle Triebsteigerung. Es kann zu Juckreiz an den äußeren Geschlechtsorganen und einer vermehrten Lustempfindung kommen. Auch Schmerzen der inneren Geschlechtsorgane können auftreten, der Uterus und die Uterusregion sind abwärtsdrängend, wobei es zu Schmerzen kommt, besonders nach dem Heben. Auch ein Gefühl des Uterusvorfalls kann auftreten. Die Uterussymptome treten besonders nach der Menopause auf. Zu nächtlichen Leibkrämpfen kann es kommen, besonders in der Schwangerschaft, während der Regel, nach dem Geschlechtsverkehr und im Klimakterium. Die Regel ist meist stark. Man findet das Gefühl, als ob alles nach unten gezerrt würde und herausfallen wollte.

Die Mensis ist häufig verstärkt und zu früh. Man kann ein Jucken, Reißen und drückende Schmerzen in Genitalien und im Rücken finden. Auch eine spastische Dysmenorrhoe ist möglich, verbunden mit schweren, nach unten ziehenden Schmerzen. Die Brustwarzen zeigen oftmals ein Jucken und Brennen. Zu Agaricus passen Beschwerden nach der Entbindung und nach dem Koitus.

Nach ALLEN passen zu Agaricus die syko-psorischen Symptome von Menstruationsstörungen. Während der Menses bestehen alle Arten von anormalen Gefühlen. Es finden sich Gefühle von Kälte oder Hitze, als ob Insekten über den Körper laufen. Die Menstruation ist reichlich und verbunden mit einem Kitzeln der Geschlechtsorgane. Auch findet sich ein starkes Verlangen nach Geschlechtsverkehr. Quälende Schmerzen im Bauch und im Rücken, besonders zusammen mit dem Menstruatinsfluß, können auftreten. Es kann zum Herzklopfen während der Menses und zum Jucken und Brennen der Ohren kommen. Geistig sind die Patientinnen während der Menstruation träge und schwerfällig, sie können nichts behalten und erscheinen dumm. Die Koordination der Muskeln ist schlecht, und die Patientinnen lassen viele Dinge fallen. Auch findet sich in dieser Zeit eine große Empfindlichkeit der Wirbelsäule. Man kann einen reichlichen und dunkel gefärbten Fluor finden, der mit quälenden Schmerzen und Empfindlichkeit der ganzen Wirbelsäule verbunden ist. Auch zeigen sich das Kitzeln in den Geschlechtsorganen mit starkem sexuellen Verlangen und ein herabdrängendes Gefühl in der Gebärmutter. Der Fluor kann Folge von unmäßigem Geschlechtsverkehr sein. Agaricus passt besonders zu hellhaarigen Frauen mit schlaffer Haut und schlaffen Muskeln.

HAUT

Man kann eine Rötung der Haut, sowie Schwellungen an Fingern und Zehen finden. Auch eine Kälteempfindlichkeit und das Absterben und Kaltwerden der Extremitäten besonders bei alten Leuten kann beobachtet werden. Auch ein Kältegefühl auf dem Kopf sowie ein unerträglicher Juckreiz, besonders bei nervösen Erschöpfungszuständen und in den Wechseljahren können vorkommen. Der Juckreiz wechselt beim Kratzen die Stelle. Man kann auch kalte kleine Stellen im Gesicht beobachten. Ein Jucken der Haut, besonders nach geistiger Anstrengung und nach dem Koitus kann vorkommen. Eine Hyperästhesie der Haut, im Verlauf des linken Ischiasnerves, bis zur Kniekehle und Ferse ist mitunter zu beobachten. Die Patienten zeigen reichlich Schweiß, besonders nach dem Koitus. Die Hauterscheinungen können auch Ähnlichkeit mit Flohbissen haben, wobei bei Agaricus dann natürlich die typischen, kommaförmigen Krümelchen des Flohkotes fehlen. Wenn man Schmutzkörnchen und Flohkot unterscheiden will, ist dies leicht zu bewerkstelligen, indem man den Schmutz auf ein feuchtes, weißes Tuch gibt. Der Flohkot löst sich nach Wasserkontakt auf und färbt das Tuch rot. Es kann zu umschriebenen, erythematösen, knötchenartigen, pustulösen und ödematösen Läsionen kommen. Nach GAWLIK passt Agaricus gut bei Erfrierungen, besonders bei heftigem Juckreiz und Beißen der befallenen Hautpartien mit Brenngefühl. Das typischte Symptom ist das Gefühl von Eisnadeln unter der Haut.

FIEBER

Die Patienten sind sehr empfindlich gegen kühle Luft. Man findet auch heftige Hitzeanfälle am Abend. Es kommt beim Fiebern zu reichlichen Schweißen und brennenden Flecken.

BEWEGUNGSAPPARAT

RÜCKEN

Man kann ein erhöhte Druckempfindlichkeit der Wirbelsäule beobachten. Auch bohrende Schmerzen können auftreten, Steifheit und ein Verkürzungsgefühl der Wirbelsäule, besonders beim Bücken. Stechende Schmerzen in der Kreuzbeinwirbelsäule, besonder beim Stehen sind zu beobachten, ebenso brennende und schießende Schmerzen längs der Wirbelsäule. Es kann zu einem erhöhten Kältegefühl, Taubheit und Kribbeln in der Wirbelsäule, zu Ameisenlaufen und Muskelzuckungen kommen. Als auffälliges Symptom wird auch das Gefühl, als ob kaltes Wasser längs des Rückens herabläuft, beschrieben. Bei LEESER werden diese Wirbelsäulensymptome bei jungen Männern als Folge von vermehrten Pollutionen oder nach sexuellen Exzessen beschrieben. Es finden sich auch Schmerzen in der Cervikalregion, besonders eim Bewegen des Kopfes. Man findet eine Empfindlichkeit der Lumbalregion, wobei es auch zu Schmerzen im Sacralbereich, vor allem beim Sitzen, kommen kann. Es finden sich Muskelkrämpfe, die durch Wärme gebessert und durch Kälte verschlimmert werden. Die Schmerzen sind sowohl bei Bewegung als auch in Ruhe vorhanden. Es kommt zum Gefühl der Rücken beim Bücken entzwei brechen würde.

EXTREMITÄTEN

Die Extremitäten sind im allgemeinen kalt, frostig und bläulich. Man findet ziehende und reißende Gliederschmerzen, die durch Ruhe verschlimmert werden und durch langsame Bewegung gebessert werden. Auch Zittern und krampfartige Stöße, wie elektrische Schläge sind zu beobachten. Häufig zeigen sich auch kreuzende Beschwerden, z.B. Symptome im linken Oberarm und im rechten Bein. Auch Erfrierungssymptome an Fingern und Zehen passen zum Bild von Agaricus. In der Muskulatur der Extremitäten zeigen sich ein Zittern, Zuckungen, klonische und tonische Krämpfe in allen Muskelgebieten mit stechenden und ziehenden Schmerzen. Auch eine allgemeine oder örtliche Schlaffheit der Muskulatur und Muskelschwäche sind zu beobachten.

Man kann Schmerzen an den Ellbogen und Ellbogenhöckern, sowie brennende Schmerzen in den Fingern, besonders im Zeigefinger, beobachten. Auch kribbelnde Schmerzen können auftreten. Man findet mitunter ein Jucken der Hand zwischen Daumen und Zeigefinger, besonders nachts. Schmerzen in den Oberschenkeln, besonders beim Samenabgang, können auftreten. Es finden sich auch Schmerzen in den Knien, besonders rechts zusammen mit Schmerzen in der linken Hand. Schmerzen in den Unterschenkeln, am Schienbein, besonders morgens, können auftreten. Die Patienten klagen auch über Schmerzen im rechten Unterschenkel und in den Waden. Es findet sich eine große Schwäche in den Beinen, bald nach Beginn der Schwangerschaft. Man findet auch das Gefühl, als ob das Schienbein brechen wollte, sowie schießende Schmerzen im Fuß und in der Fußsohle, wie von einem Splitter. Die reißenden und schmerzhaften Kontraktionen in den Waden können an Multiple Sklerose erinnern. Es kann auch zu Entzündungen der Zehen kommen, wobei die Symptome der Erfrierung der Zehen ähneln. Der Fuß fühlt sich an wie erfroren, ebenso findet sich eine Kälte wie durch Eis an einzelnen Stellen der Exremitäten. Auch ein Zittern der Extremitäten nach dem Koitus kann beobachtet werden.

NERVENSYSTEM UND SINNESORGANE

Bei den Symptomen des Nervensystems unterscheidet LEESER zwischen den Symptomen von Groß- und Kleinhirn auf der einen Seite und Störungen des peripheren Nervensystems auf der anderen Seite.

GEHIRNSYMPTOME

Die Gehirnsymptome sind durch den Trieb zu rhythmischen Bewegungen gekennzeichnet, sowie durch die Ausführung ungewöhnlicher Gliederverrenkungen, die durch den Willen nicht unterdrückt werden konnten. Diese ekstatischen Zustände können zur Tobsucht oder zum Delirium fortschreiten. Es können sich auch epilepsieähnliche oder choreatische Krampfanfälle zeigen. Weitere Hirnsymptome können Paraplegien, Schwindel mit der Neigung nach hinten zu fallen, Taumeln wie im Rausch, Schwere und Wüstheit des Kopfes, dumpfer Kopfschmerz, Hin- und Herbewegen des Kopfes, Ziehen und Reißen im Bereich des Nervus trigeminus und facialis, Tics, Sprachstörungen, motorisches Zucken der Zungenmuskeln, undeutliches Sprechen, Stottern, krampfartiges und verstärktes Hervorstoßen der Sprachelemente, Koordinationsstörungen, Neigung zum Fallenlassen von Gegenständen und ataktische Bewegungen sein. Es kommt auch zu Schreibstörungen mit verkramften Schriftzügen, sowie zum unwillkürlichem Auslassen einzelner Buchstaben. Beim schnellen Treppengehen haben die Patienten das Gefühl, als werden Stufen verfehlt und die Beine verwechselt. Man findet einen Schwindel mit der Neigung, nach vorne zu fallen. Auch Schwindel als Folge von Anstrengungen, Aufregung und Kälte kann auftreten. Die Patienten sind oft hastig, labil und sprechen viel. Der Schwindel wird schlimmer nach dem Essen, vor Gewitter und nach geistiger Anstrengung. Es kommt zur Verbesserung durch Wärme, Ruhe und langsame Bewegung. Der Schindel wird oft durch Aufstossen begleitet, wobei die abgehenden Gase nach faulen Eiern riechen. Auch ein Schwindel vom Sonnenlicht und beim Gehen ist zu beobachten.

CHOREATISCHE SYMPTOME

Choreatische Erkrankungen sind hyperkinetisch-hypotone extrapyramidale Syndrome. Sie sind durch regellose, unsymetrische, plötzlich einschießende, kurzdauernde, distal betonte, unwillkürliche Bewegungen gekennzeichnet. GAWLIK beschreibt Agaricus als passend zur Chorea minor Sydenham, einer neurologischen Erkrankung. Die Chorea minor tritt meist zwischen dem 4. und dem 14. Lebensjahr auf, kann aber auch bis zum 40. Lebensjahr beoachtet werden und befällt Mädchen häufiger als Jungen. Die Ätiologie liegt in Rachen- oder Allgemeininfektionen des rheumatischen Formenkreises. Eine Rezidivneigung führt zu erneuten Krankheitsfällen durch erneute Infektionen, in der Schwangerschaft und bei heftigen psychischen Belastungen. Bei der Chorea minor finden sich Hyperkinesien, extrapyramidal-motorische Symptome, unwillkürliche schnell ablaufende Muskelkontraktionen, überschießende Bewegungswirbel, Grimassen, Dysarthrie, im distalen Abschnitt ein erniedrigter Muskeltonus.

PERIPHERES NERVENSYSTEM

Im Bereich der motorischen Nerven kommt es zu Muskelzuckungen, Tics, Zittern, Zittrigkeit, allgemeiner Unruhe und Unsicherheit der Glieder. Im Bereich der sensiblen Nerven findet sich eine Überempfindlichkeit am gesamten Körper, es kommt zu Schmerzen schon durch leisesten Druck. Man findet eine Schmerzhaftigkeit aller Glieder, besonders der Beine beim Sitzen und Stehen. Die Schmerzen der Beine lassen aber bei mäßiger Bewegung nach. Zusätzlich zu den Schmerzen kommt es zu Parästhesien der Haut, Kältegefühl, Taubheit, einem pelzigen Gefühl, Kribbeln oder Ameisenlaufen. Die Patienten haben eine gesteigerte Empfindlichkeit gegen kühle Luft. Als Leitsymptom findet sich das Gefühl von Stichen wie von Eisnadeln unter der Haut, besonders im Bereich der Kopfhaut. Manchmal findet sich auch ein Gefühl wie von heißen Nadeln.

GAWLIK führt die Brachialgia paraesthetica nocturna an, bei der es einen brennenden oder dumpfen Schmerz und Anästhesien von Armen und Händen gibt. Die Symptome treten in der Regel nachts auf. Als Ursache kommen neuro-vasculäre Kompressionen im Schultergürtelbereich in Betracht, auch Kapillarschädigungen durch Erfrierungen kommen in Betracht. Eine Verschlimmerung der Symptome durch körperliche und geistige Überlastung ist zu beobachten und eine Besserung durch das Schütteln der Arme.

VEGETATIVES NERVENSYSTEM

Es kommt zu vegetativen Störungen, besonders im Bereich des Parasympaticus. Auch Störungen des Wärmehaushaltes, Frösteln, heftiges Frost- oder Hitzegefühl und Schweißausbrüche können vorkommen, wobei diese Symptome besonders bei Erregung auftreten. Der Schweiß ist aber eher ein kalter Schweiß.

AUGEN

Man findet Schmerzen in den Augen links. Auch ein Zucken der Lider kann beobachtet werden, besonders vor einem Gewitter. Auch Doppeltsehen, besonders nach Überarbeitung am Schreibtisch und bei Büroarbeit, kann beobachtet werden. Man beobachtet auch Druck und Schweregefühl in den Augen, Jucken und Brennen wie bei einer Konjunktivitis. Es kann zum krampfhaften Schielen und zu Zuckungen der Augenlider kommen. Auch ein Nystagmus kann auftreten, sowie Blinzeln, ein verengter Lidspalt, Lidkrämpfe und eine große Lichtscheu. Verengte oder erweiterte Pupillen sind zu beobachten, sowei Störungen des Sehvermögens, Sehschwäche, Trübsichtigkeit, Doppeltsehen und Akkomodationsstörungen. Irritationen des Sehvermögens mit Spinnweben vor den Augen, Flecken- oder Mückensehen können ebenfalls auftreten. Beim Lesen verschwimmen und verschieben sich die Buchstaben untereinander und ineinander. Durch das Lesen bei Lampenlicht findet sich eine Verschlechterung des Sehvermögens. Die Dinge erscheinen auch dort, wo sie gar nicht sind. Buchstaben scheinen sich beim Lesen zu bewegen und zu verschwimmen.

ZIMMERMANN beschreibt Agaricus in der Augenheilkunde als Heilmittel bei Zuckungen der Lider und der Gesichtsmuskeln, bei Chorea, bei Tic convulsivum, bei Lidzucken bei Überanstrengung der Augen, bei nervösem Zwinkern, bei Nystagmus und auch bei Augensymptomen als Teilerscheinung von Nervenkrankheiten, z.B. bei Multipler Sklerose. Es besteht klinisch ein erhöhter Druck im Auge und eine Schwere der Augen, besonders beim Bewegen der Augen. Bei Lampenlicht kommt es zu linksseitigem Kopfschmerz und unwillkürlichem Zucken der Augen. Auch trübes Sehen wie durch einen Schleier mit Flimmern passt zu Agaricus. Die Patienten können nur schwer lesen, da die Buchstaben sich zu bewegen scheinen. Auch Kurzsichtigkeit durch Akkoodationskrämpfe ist zu beobachten. Es kann sich auch ein Zwinkern und eine Schwäche der Augenmuskeln finden, dabei kommt es zu ruckweisen Bewegungen der Augäpfel.

OHREN

Es können sich eine Röte und Frostbeulen an den Ohren zeigen. Man findet mitunter auch ein Reißen im äußeren Gehörgang, meist durch Kälte verursacht. Auch Brennen und Röte der Ohren wie nach Erfrierungen können auftreten. Ebenfalls zu finden sind Ohrensausen, Schwerhörigkeit bis Taubheit oder auch ein scharfes Gehör. Bei Kindern können Störungen der geistigen Entwicklung auftreten, idiotisches Verhalten, eine verzögerte Sprachentwicklung, Stottern und ungenügende Leistungen in der Schule. Wenn Agaricus-Kinder schlechte Schüler sind, sollte auch die Ohrenfunktion überprüft werden.


MODALITÄTEN


CAUSA / ÄTIOLOGIE

Nach BOMHARDT gehören zur Agaricuätiologie ein Mangel an Anerkennung, ausgelacht zu werden, Blamage, bloßgestellt zu werden, gehänselt werden, Horrortrips, Schikanen, Schmach, Sitzenbleiben, Tadel, Trips, die Vereinnahmung durch die Eltern, das Verspottetwerden, ein Mangel an Wertschätzung und ein Zeckenstich.

VORLIEBEN

Man kann ein Verlangen nach Alkohol finden. Sowie ein Verlangen nach Bewegung, nach der Gruppe und nach Schutz.

VERSCHLIMMERUNG

Eine Verschlimmerung zeigt sich bei Agaricus nach dem Essen, nach geistiger Anstrengung, nach dem Geschlechtsverkehr, nach Kaffee, durch Kerzenruß, nach dem Koitus, durch Lilienduft, durch die Menses, morgens, am frühen Morgen, vormittags bis gegen Mittag, durch Nähen, durch Spülen, beim Gehen im Freien, durch Kälte, vor kaltem und trockenem Wetter, bei Wetterumschlag, beim Nahen eines Gewitters, in der Ruhe, nach den Mahlzeiten, nach Alkoholgenuß, bei geistiger Arbeit und bei geistigen Anstrengungen, nach sexuellen Exzessen, durch Sonnenlicht, durch Hitze, durch Tabak, in kalter Luft und bei Druck auf die Dorsalwirbel ( was unwillkürliches Gelächter erregt ).

BESSERUNG

Eine Besserung ist bei Agaricus abends, nach Erfolg, durch Lachen, durch langsame Bewegung, nachts, durch Schlaf, durch Trommeln, durch körperliche Bewegung, körperliche Tätigkeit, während des Schlafes, nach Stuhlgang, nach Entleerung der Blase und durch Bewegung im Freien zu beobachten.


HOMÖOPATHISCHE ANWENDUNG BEIM MENSCHEN


LEESER und MEZGER beschreiben folgende Anwendungsgebiete :

Akne rosacea, akuter und chronischer Alkoholismus, Angina , Angina pectoris, Angina pectoris vasomotorica, Beschäftigungskrämpfe, Blasenkrämpfe, Blasenlähmungen, Blasenlähmungen bei Tabes dorsalis und MS, Bleivergiftung, Bronchitis, Bulbärparalyse, Chorea minor, chronische Gärungsdyspepsien, chronische Hautentzündngen, Claudicatio intermittens, Darmkatarrh, Delirium tremens ,Durchblutungsstörungen, entzündliche Gehirnleiden der Kinder und ihre Folgezustände, Enuresis nocturna, enzephalitische Zustände und deren Folgen, epileptische Anfälle, Erfrierungen und Verbrennungen mit Parästhesien und Schädigungen der Kapillaren, ermattende Schweißausbrüche, extrapyramidale Erkrankungen, Fließschnupfen mit abwechselnd rechts und links verstopfter Nase, frische und alte Frostschäden, Frostschäden, Erfrierungen 1. u. 2. Grades, Frostbeulen, Gefäßspasmen, geistig zurückgebliebene Kinder, Genußmittelschäden durch Kaffee und Tee, Gesichtstics, Hyperhydrosis, hypotone Regulationsstörungen, Impotenz, Ischias mit Kältegefühl, juckende und trophische Hautstörungen, klimakterische Beschwerden, Klimakterium, Kopfrollen der Kinder, Kopfschmerzen, besonders bei Schülern und Studenten, Kopfschmerzen ( besser durch Stuhl- oder Blähungsabgang ), koronare Durchblutungsstörungen, Krämpfe der Kinder nach Schreck oder Bestrafung, Libidoverlust, Lungentuberkulose im beginnenden und im späten Stadium, manische Psychosen, Mastdarmparese mit Defäkationsstörungen bei organischen Nervenleiden ( z.B. Apoplex, MS ), Meteorismus, Migräne, Miktionsstörungen ,Multiple Sklerose, Muskeldystonien, Neigung zu venösen Blutungen, nervös zerrüttete Menschen jeden Alters, nervöse Blasenstörungen, nervöse Herz- Kreislaufbeschwerden, nervöse Magen- und Darmstörungen, nervöse Magen-Darmstörungen ,nervöse Störungen der Sexualorgane, Neurodermitis, Nykturie, Nystagmus bei Multipler Sklerose, Oesophaguskrämpfe, Paralysis agitans, Parästhesien, Paretische und paralytische Zustände, Parkinsonsyndrom, Pollutionen, rauschartige und ekstatische Zustände ,Reizpolyurie, Ruhr, sexuelle Insuffiziens, sexuelle Schwäche, Silbenstottern bei Paralysis agitans, Sonnenstich, spastische Zustände in allen Organgebieten, Tabes dorsalis, Tetanie, Thyreotoxikosen, Tic convulsivum, Trismus, Trockene Ekzeme, Typhus, überlebendige oder stumpfsinnige Kinder, Vaginismus, vasomotorische Störungen, vegetative Dystonie, Verbrennungen 1. - 3. Grades, verspätetes Gehen- und Sprechenlernen der Kinder, Vertigo, Wirbelsäulenstörungen, zerebrale Durchblutungsstörungen, zerebrale und nervöse Übererregungs- und Erschöpfungszustände.


ANTIDOTE


Nach BOERICKE sind Antidote von Agaricus folgende Mittel und Stoffe. Dazu zählen Calcium carbonicum, Campfer, Camphora, Coffea, Fett, Holzkohle, Kaffe, Öl, Pulsatilla, Rhus toxicodendron, Wein und Weinbrand.


ANDERE PILZE ALS VERGLEICHSMITTEL


Agaricus campestris zeigt ein kaltes, ängstliches Gemüt mit Ohnmachten und Delirium.

Agaricus citrinus zeigt Bewußtlosigkeit und Faulheit.

Agaricus emeticus, syn. Russula emetica zeigt starken Schwindel und bei allen Symptomen eine Verbesserung durch kaltes Wasser. Auch das Verlangen nach Eiswasser kann beobachtet werden. Es finden sich eine Gastritis, kalter Schweiß, beim Erbrechen haben die Patienten das Gefühl, als ob der Magen an einem Faden hinge und Angst.

Agaricus pantherinus ( Amanita pantherina ), der Pantherpilz zeigt ein Delirium, einsilbige Antworten, Bewußtlosigkeit und Stupor. In der Toxikologie entspricht der Pantherpilz weitgehend dem Fliegenpilz, denn er enthält ebenfalls Muscarin und die toxischen Isoxazol-Derivate. Das Vergiftungsbild ist auch hier von Erregungszuständen, Tobsuchtsanfällen, Verwirrtheit und Halluzinationen, die nach einer Latenzzeit von 1 - 3 Stunden auftreten, geprägt.

Agaricus phalloides syn. Agaricus bulbosus ( Amanita phalloides ), der grüne Knollenblätterpilz hat neben Agaricus muscarius die ausgeprägteste Symptomatik. Man findet ein ängstliches oder schläfriges Gemüt, verworrene Träume, Angst, langsame Antworten oder Bewußtlosigkeit. Die Patienten machen sonderbare Gesten und Gebärden. Man kann Ruhelosigkeit, Ruhelosigkeit im Bett, Herumwerfen im Bett, Stupor, Ungeduld und verworrene Träume finden. Die Toxikologie der Knollenblätterpilze ist durch die Amanitine als Giftstoffe gekennzeichnet.

Amanitine kommen in tödlicher Menge vor allem im grünen Knollenblätterpilz ( Amanita phalloides ), in den weißen Knollenblätterpilzen ( Amanita virosa, Amanita verna ) und im Nadelholzschüpfling ( Galerna marginata ) vor. Von den tödlichen Pilzvergiftungen kommen in Deutschland ca. 90 % durch Knollenblätterpilze zustande. Die Amanitine ( Alpha- und Betha-Amanitin ) verursachen eine Hemmung der Nukleinsäuresynthese im Zellkern, indem sie sich an ein Enzym des Zellkerns, die DNS-abhängige-RNS-Polymerase II binden. Dadurch kommt es zur Schädigung der Parenchymorgane Leber und Niere. 8 - 24 Stunden nach der Giftaufnahme kommt es zu heftigen Brechdurchfällen. Nach ca. 2 Tagen endet das Magen-Darm-Stadium der Vergiftung, und es kommt zu einer Latenzphyse von 1 Tag. Anschließend entwickelt sich eine schwere Lebernekrose, eine Nekrose der Nierentubuli, Gerinnungsstörungen und schließlich zum Leberkoma und zur Urämie. Neben den Amanitinen enthalten die Knollenblätterpilze noch Phallotoxine und Phallolysine. Die Phallotoxine wirken stark hepatotoxisch.

Homöopathisch finden sich nach BOERICKE dauernder Stuhldrang, Abdominal- und Rectalschmerzen, aber keine Magenschmerzen, ein intensiver Durst auf kaltes Wasser, trockene Haut und Oligurie. Die Patienten sind lethargisch, aber geistig klar. Man fndet einen plötzlichen Wechsel von raschem zu langsamem Atmen und umgekehrt. Auch extreme Kollapszustände sind zu finden.

Agarcus procerus zeigt Delirium und Delirum mit Schreien. Die Patienten weigern sich, die Medizin im Delirium einzunehmen, auch kann sich eine Bewußtlosigkeit zeigen.

Agaricus semiglobatus zeigt Aborte im zweiten Monat, Bewußtlosigkeit und Stupor.

Agaricus stercorarius ist durch Schwäche und Pessimismus, Bewußtlosigkeit und Krämpfe nach Erregung gekennzeichnet. Der Patient versucht zu fliehen, ist ein Pessimist, zeigt Ruhelosigkeit, Stupor und Krämpfe voller Wildheit.

Boletus satanas ( Russula emetica, Lactarius torminosus, Satanspilz, Speiteufel, Giftreizker ) hat eine sehr eigene Symptomatik. 1 - 2 Stunden nach Einnahme des Pilzes kommt es zu einer heftigen Gastroenteritis mit Erbrechen und reiswasserähnlichen Durchfällen. Nach Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts bessert sich der Zustand rasch. Tödliche Vergiftungen sind sehr selten.

Secale cornutum ( Claviceps purpurea, Mutterkorn ) ist ein Mittel, welches durch Kontraktionen der glatten Muskulatur gekennzeichnet ist. Man findet Schwäche, Angstgefühl, Abmagerung und heftige Koliken des Magen-Darm-Traktes und der Uterusmuskulatur. Die Extremitäten sind kalt und taub. Durch die Durchblutungsstörungen finden sich Gangräne.


WEITERE VERGLEICHSMITTEL


Nach ALLEN, BOERICKE, BOMHARDT und CLARKE sind Vergleichsmittel Acidum nitricum, Belladonna, Bovinum, Cannabis indica, Carcinosinum, Cicuta virosa, Cimicifuga, Cocculus, Cuprum, Hyoscyamus, Ignatia, Lachesis, Lycopodium, Mygallinum, Natrium muriaticum, Nux vomica, Opium, Phosphorus, Pulsatilla, Sticta, Stramonium, Tamus, Tarantula und Zincum metallicum.

In bezug auf das Alkoholdelirium sind nach ALLEN verwandte Mittel Calcium carbonicum, Cannabis indica, Cimicifuga, Hyoscyamus, Kalium phosphoricum, Lachesis, Nux vomica, Opium und Stramonium. Der Alkoholismus selbst verlangt vergleichend nach Nux vomica oder Stramonium. Eine Verwandtschaft in bezug zu den choreatischen Symptomen sind Mygal., Tarantula und Zincum. Bei Alkoholismus und Chorea muß man auch an Stramonium denken. Zur Multiplen Sklerose passen Alumina, Aranea ixobola, Zincum, Secale und Kreosotum. Eine Empfindlichkeit der Wirbelsäule gegen Berührung, mit Zuckungen der Zunge verlangt als Vergleichsmittel mitunter auch nach Lachesis. Wenn die Akren ( Nase, Hände, Füße ) blau und kalt wie erfroren sind, sollte man auch an Abrotanum, Jodum, Hedera helix und Acidum fluoricum denken. Zur Verschlimmerung vor einem Gewitter passen Phosphorus und Psorinum. Bei choreatischen Zuständen sind Vergleichsmittel Tarantula hispanica, Zincum, Arsenicum album ( mit Entkräftung und Abmagerung ), Stramonium und Mygale. Bei Tic convulsivum sind Vergleichsmittel Gelsemium, Hyoscyamus, Magnesiumsalze, Stramonium, Zincum und Tarantula hispanica. Durchfall mit vielen Blähungen kann auch nach Aloe, Natrium sulfuricum, China oder Nux moschata verlangen. Bei verspätetem Gehen- und Sprechenlernen der Kinder sollte man auch an Barium, Calcium carbonicum, Calcium phosphoricum, Calcium fluoratum, Causticum, Silicea, Sulfur und Asteria denken. Die Schwäche nach dem Koitus läßt auch an Conium, Agnus castus oder Acidum phosphoricum denken. Bei Spasmen der Augenlider ist auch an Cicuta virosa zu denken.


ARZNEIMITTELBILD BEIM TIER


KONSTITUTION

Hund

LEESER beschreibt den Agaricushund als ruhelos, mit Zittern und Krämpfen. Die Hunde sind nervös und überlebendig. Als Rassen für die dies zutrifft, werden junge Boxer und Jagthunde angegeben. Neues bringt Agaricushunde leicht in Wut, z.B. bei Kettenhunden. Agaricushunde zeigen oft hypersensible Reaktionen. Nach WESTERHUIS kann man bei Agaricushunden an kräftige, aktive, unbedachte und spontane Boxer denken, doch auch das genaue Gegenteil ist zu finden. Die Tiere können an heftigem Hautjucken leiden, obwohl Haut und Haarkleid ohne besondere Veränderung sind. Wenn man die Tiere am Rücken berührt, wird der heftige Juckreiz ausgelöst, danach kratzen sich die Tiere mit den Hinterpfoten heftig. Zum Kratzen winden sie sich nach allen Seiten. Der Agaricustyp ist neugierig, untersucht alles, ist manchmal aber auch aus Protest zerstörungswütig, weil er nicht genügend Aufmerksam findet. Die Tiere werden spät sauber und spät Geschlechtsreif. Sie sind lange ungezogen, Zerstören gerne Körbchen und Möbel, stehlen Futter ( bei normalem Appetit ), haben eine große Neugier und eine übermäßige Aktivität.

Nach B. RAKOW sind Agaricushunde häufig Zwergpudel, bzw. andere Zwergrassen. Die Tiere sind lebhaft und verspielt. Sie hatten als Jungtiere oftmals schwere Erkrankungen mit Muskelzuckungen der Beine, des Kopfes oder des ganzen Körpers. Bei Erregung der Tiere finden sich schwere Koordinationsstörungen. Die Tiere heben die Vorder- oder Hinterextremitäten extrem an, oder sie bleiben zitternd stehen und können sich scheinbar nicht bewegen. Die Sehfähigkeit der Tiere scheint beeinträchtigt. Die Tiere erkennen Hindernisse wie Stuhlbeine oder Türen viel zu spät. Die Tiere zeigen schwere Muskelzuckungen und nächtliche Unruhe. Die nächtliche Unruhe ist so heftig, daß auch die Besitzer nicht schlafen können. Die Tiere haben dadurch einen starken Kräfteverfall, so daß sie morgens einen apathischen, schwerkranken Eindruck machen. Bis zum Nachmittag und Abend erholen sich die Tiere dann meist wieder.

Katze

Agaricus wird für Katzen selten beschrieben, in den Fällen die ich kenne, fallen die Tiere durch plötzliche Verhaltenskuriositäten auf. Ein Kater hatte mehrmals tägliche Anfälle, bei denen er wirr um sich blickte und sich dann in den eigenen Schwanz biß oder kratzte. Das Tier war in diesen Situationen nicht nur gegen sich selbst, sondern auch gegen den Besitzer aggressiv. Vor den Anfällen zeigte das Tier ein Zucken, welches über den Körper wanderte.

Pferd

Bei Agaricuspferden beschreibt LEESER ein übertriebenes Renntraining. Niederbruch im Rennen und Dämpfigkeit mit häufigem Urinlassen. Auch eine pathologisch geschlechtliche Gleichgültigkeit ist zu finden. Alle Beschwerden haben einen lähmenden Charakter.

Schwein

Beim Schwein beschreibt LEESER eine pathologische Nervenübererregarkeit, eine sogenannte Zitterkrankeit. Die Zitterkrankheit tritt schon bei der Geburt auf, wobei die Tiere ohne Allgemeinstörungen ein heftiges Zittern zeigen. Die Ferkel verhungern dabei allerdings des öfteren, da sie die Zitzen nicht festhalten können. ANDRESEN beschreibt Agaricus beim Schwein mit Ataxie und Koordinationsstörungen der Hinterhand, Schwindel, Delirium und Schläfrigkeit.

GEMÜT UND VERHALTEN

RAKOW beschreibt Agaricus als Mittel beim Weben des Pferdes, besonders bei erregten Tieren, die wie berauscht erscheinen. Die Augen bewegen sich zu jeder Bewegung passend mit, die Hin- und Herbewegungen enden jeweils sehr abrupt. Zusätzlich zeigt sich bei den Pferden eine Verspannung der Halsmuskulatur sowie eine wechselnde Steifigkeit der Vordergliedmaßen.

HERZ-KREISLAUF-APPARAT

Mit zunehmendem Alter wird der Kreislauf mehr und mehr in Mitleidenschaft gezogen, es kann auch zu Herzrhythmusstörungen kommen.

VERDAUUNGSAPPARAT

Man findet einen vermehrten Speichelfluß und ein Zittern der Zunge. Auch häufige Blähungen und Kotabsatzprobleme bis hin zur Verstopfung passen zum Agaricushund. Auch Erbrechen ist zu finden. Der Appetit der Tiere ist häufig gut, sie verschlingen ihr Futter heißhungrig. Man kann aber auch Appetitlosigkeit finden. Nach der Futteraufnahme treten bei den Tieren auch leicht Blähungen auf.

MÄNNLICHE GESCHLECHTSORGANE

Man kann eine Hypersexualität, sexuelle Erregungen und eine sexuelle Überreizung finden. Auch Onanie bei äußerst lebhaften und unruhigen Tieren paßt zu Agaricus. Die Agaricus-Tiere sind ständig in Bewegung und zittern bei jeder Erregung. Alle Beschwerden verschlimmern sich durch die sexuelle Erregung.

HAUT

Die Tiere können an heftigem Hautjucken leiden, obwohl Haut und Haarkleid ohne besondere Veränderung sind. Wenn man die Tiere am Rücken berührt, wird der heftige Juckreiz ausgelöst, danach kratzen sich die Tiere mit den Hinterpfoten heftig. Zum Kratzen winden sie sich nach allen Seiten. WESTERHUIS beschreibt den Juckreiz als so leicht auszulösen, daß man nur auf die Tiere zu deuten braucht, damit sie schon mit dem Kratzen anfangen. Bei Boxern tritt der Juckreiz besonders auf, hier ist er im Bereich einer Linie vom Schwanz bis zum Hinterkopf am stärksten ausgeprägt. Im Allergietest zeigt sich oft eine Allergie gegen Hausstaubmilben.

Nach B. RAKOW passt Agaricus auch für nervöse Tiere, die sich scheinbar ohne jeden Grund ständig kratzen oder das Fell ausreißen. Man kann allerdings nicht feststellen, ob die Tiere auch die Empfindung des Nadelstechens haben. Die Tiere zucken bei Berührung zusammen, lassen sich aber vom Menschen auch gerne kraulen.

BEWEGUNGSAPPARAT

Im Bereich des Bewegungsapparates kann man Muskelzuckungen, Zittern und Koordinationsstörungen beobachten.

NERVENSYSTEM UND SINNESORGANE

Man findet Nystagmus, epileptische Symptome und Nervenzucken nach Hundekrankheiten ( Staupe ). Beim Hund ist das Nervenzucken bei Agaricus vom Nervenzucken bei Zincum metallicum zu unterscheiden. Das Agaricuszucken verschwindet im Schlaf, während es bei Zincum metallicum auch im Schlaf bestehen bleibt. Auch Parästhesien nach Verbrennungen oder Erfrierungen passen zu Agaricus. WOLFF beschreibt eine Wirkung bei Veitstanz, Muskelzucken und Myoklonien als Folge von Staupe, analog dem oben Beschriebenen. Auch alkoholrauschähnliche Zustände, Apathie und Lähmungen passen zur Agaricussymptomatik. Bei Erregung der Tiere finden sich schwere Koordinationsstörungen. Die Tiere heben die Vorder- oder Hinterextremitäten extrem an, oder sie bleiben zitternd stehen und können sich scheinbar nicht bewegen. Eine Anwendung bei Epilepsie kommt in Frage bei Anfällen mit Zittern und Zuckungen, Bewegungsdrang, Ruhelosigkeit und unwillkürlichen Bewegungen. Die Symptomatik wird evt. von einem Nystagmus begleitet. Alle neurologischen Symptome hören im Schlaf auf. Die Sehfähigkeit der Tiere scheint beeinträchtigt zu sein. Die Tiere erkennen Hindernisse wie Stuhlbeine oder Türen viel zu spät und laufen oft dagegen.

QUELLEN:

C.M. Boger: Synoptik Key; Similimum-Verlag; ISBN 3-930256-30-4