BELLADONNA

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Atropa bella-donna

KURZBESCHREIBUNG NACH DR. JOH.-MATTHIAS BANSA

Entzündungen (nicht nur im Hals), Fieber, Neuralgien, Erkältungsfieber, Husten, Kopfschmerzen, Folge von Sonneneinwirkung.

Besondere Kennzeichen: Plötzlicher Beginn (wie bei Aconitum), Hitzegefühl, besonders im Kopf, warmer Schweiß, hochrotes Gesicht, trockener Mund mit oder ohne Durst, klopfende Empfindungen, Folgen von Zugluft und nassen Haaren, Verschlimmerung durch Berührung oder Erschütterung.


URSUBSTANZ:

Tollkirsche, Irrbeere, Wutbeere, Solanaceae; Europa, Kleinasien, Nordafrika

Systematik:

Synonyme: Atropa belladonna, Tollkirsche, Solanaceae

Abkürzung in der Homöopathie: Bell.

PRÜFUNGEN:

Belladonna in: Samuel Hahnemann, Reine Arzneimittellehre, Teil 1

SCHLÜSSELSYMPTOME nach BOGER

REGION:

Nervenzentrum [Gehirn.]

Blutgefäße. Kapillaren.

  • Schleimhäute
    • Augen.
    • Mund.
    • HALS.

Haut.

Organe.

Rechte Seite.


SCHLECHTER:

Hitze; der Sonne; wenn erhitzt.

Nachmittag (15 Uhr).

ZUGLUFT; am Kopf;

Haare schneiden (Glon.).

[Kopf wachsen]

Nach Erkältung.

UNTERDRÜCKTER SCHWEISS.

LICHT. LÄRM.

ERSCHÜTTERUNG.

Berührung. Gesellschaft. [Druck.]

Bewegung. Herunterhängenlassen.


BESSER:

Leichte Bedeckung.

Rückwärtsbiegen.

Bettruhe.


Plethorische, geistreich. PLÖTZLICHE, HEFTIGE BESCHWERDEN. TROCKENHEIT, HELLE RÖTE - gestreift (Phos.). - UND BRENNENDE HITZE; MIT STARKEM SCHMERZ; VÖLLE ODER SCHWELLUNG BLUTANDRANG; ZUM KOPF. Erweiterte Arterien. Entzündung. [Hitze im Körper, Körperteilen, Absonderungen, usw. KONSTRIKTIONEN. Körperteile sind heiß, geschwollen, rot und trocken.] KLOPFENDE, SCHARF SCHNEIDENE, SCHIESSENDE oder krallende SCHMERZEN; mit zur Verzweiflung treibender Heftigkeit; kommen und gehen, in wiederholten Anfällen (Nit-ac.). Spärliche oder heiße Absonderungen. ERSCHÜTTERUNGEN. (shock lässt sich übersetzen mit Schlag, Stoß, Erschütterung, Schock.) ZUCKUNGEN. SPASMUS; von Hals, Vagina, usw.

Überaktiv. Erregt. WILDE DELIRIEN; wild, laut lärmend, schreit auf. RUHELOS, und spricht schnell. Versucht zu entfliehen. [Rasend. Manie zu beißen. Heftiges Delirium.] PULSIERENDER KOPF; < Schläfen; < Bewegung; > Haar herablassen. Gehirn hebt und senkt sich in Wellen. Rollt den Kopf. [Schmerzen ziehen vom Kopf abwärts. KOPF EMPFINDLICH GEGENÜBER ZUGLUFT UND KÄLTE, oder Haare waschen. HÄMMERNDES KLOPFEN.] Zieht sich an den Haaren. Meningitis. Sonnenstich. ERWEITERTE PUPILLEN. Hervorstehende, glänzende Augen. Rote Skleren. Schaurige, [rote,] erschreckende Halluzinationen; beim Augenschließen. Blindheitsanfälle; dann gelbe Sicht. Sieht rot. Lichtblitze vor den Augen. PHOTOPHOBIE. Rote Nase. FEUERROTES, geschwollenes, heißes GESICHT, oder abwechselnd Blass und rot. TROCKENER; HEISSER MUND UND HALS (Phos. Rhus-t.). Zahnschmerz, > Beißen. Geschwollene Zunge. Erdbeerzunge. Drang zum Schlucken, mit Würgen. Trinkt in Schlückchen, (Er schluckt mit der größten Beschwerlichkeit Wasser und kann nur höchst wenig davon hinunterbringen.) Muss trinken, um schlucken zu können. Verlang nach Limonade. Schmerz vom Magen oder Leber zu Schulter und Hals, < Liegen darauf. Schneidende Oberbauchkolik, > rückwärts Beugen. Ausgedehntes Colon transversum. Krallende oder herab drängende Empfindung im Abdomen. (Eine Art Stuhlzwang, ein beständiges Drücken und Drängen nach dem After und den Geschlechtsteilen zu, abwechselnd mit schmerzhafter Zusammenziehung des Afters.) Akuter Analprolaps (Ars.). Stühle enthalten kreidige Klumpen. Enuresis beim Liegen; nachts. Feuerroter Urin. Vorzeitige, reichliche, heiße (Sabin.), rote, stoßweise Menses. Rigider Muttermund. Uterusentzündung. [Gefühl des Herabdrängens,> Stehen, < Liegen.] Trockener Husten. Bellende Stimme. Rot gestreifte Mammae. Steifer re. Nacken und Schulter, nachmittags. Rücken fühlt sich wie gebrochen an. HELLE, ROTE, GLÄNZENDE HAUT. Heftige Dermatitis. Scharlach. Erysipel. Schläfrig, aber kann nicht schlafen. Schwerer, heißer Schlag. (Tiefer, vier und zwanzigstündiger Schlaf.) ZUCKUNGEN IM SCHLAF. Schreckliche Träume; von Streit, Feuer, usw. Innerliche Kälte bei äußerlicher, beißend brennender Hitze. HEISSER KOPF, mit kalten Gliedern (Sulph.). Heißer Schweiß. [Haut heiß, jedoch abwechselnd feucht und trocken. Spasmus, dann lange andauernde Bewusstlosigkeit.]


Ergänzend: CALCIUM CARBONICUM, HEPAR SULFURIS, MERCURIUS SOLUBILIS


Verwandt: GLONOINUM, HYOSCYAMUS NIGER, STRAMONIUM

THEMA:

Wenn der Arzt deutlich einsieht, "was an den Arzneien, das ist, an jeder Arznei insbesondere, das Heilende ist", wie Hahnemann uns im §3 des ORGANON einschärft, dann wird er sich nicht länger einen engen Begriff von unseren homöopathischen Mitteln machen. Vielmehr wird, wer dies "Heilende", die Essenz eines Mittels versteht, das Feld seiner Anwendungsmöglichkeiten in voller Breite erkennen können.

Mit der häufig stattfindenden Einstufung unserer Arzneien als "akute" oder "konstitutionelle" Mittel werden künstliche Grenzen gezogen, die in der Homöopathie in Wahrheit nicht existieren. So wird Belladonna im allgemeinen als Akutmittel angesehen, zählt aber auch bei chronischen Zuständen zu den am häufigsten benötigten Polychresten.

Belladonna zeichnet sich durch hochgradige Intensität und Lebhaftigkeit aus. Wie der Patient selbst, so beeindrucken auch die Krankheitsverläufe bei diesem Mittel durch die enorme Energie, die sich in ihnen ausdrückt. Belladonna kann Pathologien produzieren, die zu den außergewöhnlichsten und exzessivsten unserer gesamten Materia Medica zählen; große Heftigkeit und Gewaltsamkeit kennzeichnen, wie es scheint, den Verlauf der pathologischen Prozesse. Und entsprechend strahlen konstitutionelle Belladonna-Menschen im allgemeinen Vitalität, Kraft und Intensität aus. Sie scheinen über ein hohes Maß an gut ausblancierter Lebensenergie zu verfügen. Bei erschöften und apathischen Menschen wird das Mittel kaum einmal von Nutzen sein; vielmehr sehen Belladonna-Patienten zumeist ganz gesund und robust aus.

Es scheint sich in der Regel um Menschen zu handeln, bei denen sich nicht eine Vielzahl von Krankheitsgeschichten herausgebildet hat. Und so entwickeln sie in den ersten Stadien der Pathologie auch häufig nur wenige geistige und emotionale Symptome. Zudem tritt bei ihnen fast durchweg nach der Einnahme des Mittels eine deutliche Erstverschlimmerung ein, und im allgemeinen ist keine intensive Langzeitbehandlung erforderlich.

In den meisten homöopathischen Materiae Medicae wird besonders die Plötzlichkeit der Belladonna-Zustände betont. Es ist sicherlich richtig, daß akute Beschwerden bei diesem Mittel eine soche plötzliche Qualität haben, und auch für bestimmte Krisen bei chronischen Erkrankungen mag dies zutreffen; in typischen chronischen Belladonna-Fällen wird man jedoch sehr häufig eher eine langsame und stetige Intensivierung der Symptome antreffen, die sich über Jahre erstreckt. Und so ist es nichts Ungewöhnliches, wenn ein Belladonna-Patient etwa Folgendes berichtet:

"Zunächst recht harmloser Beginn der Beschwerden, dann stetige Verschlimmerung, bis sie in der letzten Zeit (z.B. im Verlauf des letzten Jahres) ganz unerträglich geworden sind, so daß der Betreffende sich nun gezwungen sieht, sich in Behandlung zu begeben."

Die Pathologie eines konstitutionellen Belladonna Patienten beschränkt sich im allgemeinen auf die physische Ebene - im Gegensatz zu den Krankheitsverläufen, die wir von anderen Mitteln kennen: denn normalerweise entwickeln unsere Patienten zunächst zwar lediglich körperliche Symptome, wenn aber Streß oder unterdrückende Therapien hinzukommen, dringt die Krankheit auf tiefere, zentralere Ebenen des Organismus vor, in den Bereich von Geist, Gemüt und Emotionen, so daß wir in den meisten Fällen eine Mischung von physischen und psychischen Symptomen antreffen. Belladonna-Konstitutionen hingegen scheinen die Pathologie im allgemeinen auf der Ebene einer spezifischen körperlichen Störung sozusagen in Quarantäne zu halten und eine >Ansteckung< tieferer Ebenen zu vermeiden, was möglicherweise ihrer relativ starken Vitalität zuzuschreiben ist. Entsprechend liest sich die ihre Krankheitsgeschichte meist als eine forschreitende Intensivierung der physischen Störung, wobei kaum Beeinträchtigungen auf der geistigen oder emotionalen Ebene festzustellen sind. Typisch ist beispielsweise, daß ein Patient von anfangs selten auftretender und eher leichter Migräne berichtet, die während der vergangenen zwei Jahre immer häufiger geworden ist und nun bereits mehrmals pro Woche auftritt - und das so heftig, daß die Schmerzen ihn fast wahnsinnig machen.

Wie aus diesem Ausführungen ersichtlich, finden Diagnose und Verschreibung bei Belladonna im allgemeinen aufgrund körperlicher Beschwerden statt. Das heißt aber nicht, daß es nicht auch bei diesem Mittel eine charakteristische Persönlichkeitsstruktur gäbe, der wir uns nun zuwenden wollen.

Körperlich:

Belladonna-Patienten sehen im allgemeinen recht vital und eher plethorisch aus. Oft sind sie rot im Gesicht, die Augen leuchten.

Psychisch:

Menschen, die Belladonna benötigen sind lebhaft. So wie sie auftreten, sind sie nicht leicht zu übersehen. Sie gehören zu dem Menschentyp, der in einer Gruppe sofort auffällt; bei Parties oder Feiern stehen sie oft im Mittelpunkt der allgmeinen Aufmerksamkeit - eben wegen ihrer leuchtenden Augen und der enormen Vitalität, die sie ausstrahlen. Für gewöhnlich handelt es sich um intellektuelle Typen, sehr intelligent und voller Ideen, die sie höchst lebenig vortragen; aber sie sind nicht die Art Menschen, die unbedingt die Gesellschaft anderer sucht.


LEITSYMPTOME:

  • Plötzliche, heftige Beschwerden mit plötzlicher Beginn und plötzliches Ende
  • Intensive und brennende Hitze, intensive Rötung
  • Roter, heißer Kopf und kalte Extremitäten
  • Hohes Fieber, mit leicht feuchter Haut, leichtes Schwitzen
  • Starke, pochende Schmerzen
  • Harter, schneller Puls
  • Überempfindlichkeit der Sinne, v. A. auf Erschütterung, Temperaturschwankungen, Licht, Lärm
  • Erweiterte Pupillen, glänzende Augen
  • Ängstliches Delirium mit Fantasien, Halluzinationen (sieht Gestalten, Gesichter, Gespenster, wilde Tiere, Feuer, schreckliche Dinge)
  • Überstreckung des Kopfes nach hinten
  • Tobsuchtsanfälle mit Beißen, Kratzen
  • Rechtsseitige Beschwerden
  • Typische Verschlimmerungszeiten 15.00 Uhr und 23.00 Uhr

KLINISCHES BILD:

MIASMATIK:

MODALITÄTEN

CAUSA / ÄTIOLOGIE

VORLIEBEN

ABNEIGUNGEN

VERSCHLIMMERUNG

  • Kälte
  • Luftzug
  • Kaltwerden des Kopfes (4)
  • Bewegung
  • Erschütterung
  • Druck
  • Licht

BESSERUNG

  • Zurückbeugen
  • Wärme, leichte Bedeckung
  • Ruhe, Bettruhe

GEISTES- UND GEMÜTSSYMPTOME:

Belladonna-Menschen sind Persönlichkeiten mit Substanz, voll innerem Reichtum; sie haben starke Gefühle, lebhafte Gedanken und Phantasien. Mehr als alles andere aber sind sie erregbar. Zwar meiden sie Gesellschaft nicht direkt, doch ihr inneres Erleben scheint so intensiv zu sein, daß sie keiner weiteren Stimulation von außen bedürfen. Tatsächlich gehen sie starken Außenreizen sogar eher aus dem Weg und haben eine Abneigung gegen helle, laute Örtlichkeiten. Zudem benötigen sie, starke Charaktere, die sie sind, auch nicht die Unterstützung anderer. Sie zeigen nicht gerne, wenn sie leiden (obwohl sie es während einer Krise meist nicht verbergen können), und brauchen keinen Trost. Vielmehr neigen sie dazu, ihre Probleme für sich zu behalten.

So wie Belladonna in vielen Arzneimittellehren dargestellt wird, kann man manchmal den Eindruck bekommen, man müsse es schon mit einem sich in Krämpfen windenen oder delirierenden Patienten zu tun haben, der ganz und gar außer sich ist, bevor man die Verschreibung dieses Mittels rechtfertigen können. Es gibt zahlreiche Belladonna-Patienten, die keinerlei psychische Pathologie zeigen. Es ist bereits darauf hingewiesen worden, daß konstitutionelle Belladonna-Fälle im allgemeinen hauptsächlich körperliche Symptome entwickeln; werden die Abwehrkräfte des Patienten allerdings massiv überbeansprucht, so kann die Pathologie sprunghaft auf tiefere, zentralere Schichten des Organismus übergreifen. Dann können wir ein plötzliches Einsetzen von geistigen und psychischen Störungen beobachten, nicht jedoch eine progressiv sich entwickelnde Psychopathologie.

Diese Störungen von Geist und Gemüt nun, die sich bei Belladonna schließlich einstellen können, lassen sich als Akzentuierung der bereits beschriebenen Persönlichkeitsstrukturen verstehen. Sie zeigen eben die Intensität, die für die körperlichen Symptome bei Belladonna so typisch ist; es ist, als würde ein Sturm ausbrechen.

Reizbarkeit, Wut und schließlich starke Impulse und heftige Manie können dann auftreten. Die Reizbarkeit ist das einzige Gemütssymptom, das von Beginn an vorhanden ist und sich durch alle Stadien zieht. Sehr häufig findet man in der Vorgeschichte des Patienten Ungedult mit plötzlichen Wutausbrüchen. Diese Menschen können vor Wut buchstäblich explodieren. Wenn sie ihre Wutanfälle haben, brüllen sie herum und >schreien das ganze Haus zusammen<. Die Wut ist so groß, daß sie sie zum Husten bringen kann, wobei sie kannrot im Gesicht werden. Selbst die eigenen Fehler erzürnen den Belladonna-Patienten so sehr, daß er am liebsten alles kaputtschlagen würde.

Manchmal wechseln Wut und Tränen einander ab, ein Zustand, in dem er sich selbst nicht mehr unter Kontrolle hat. So schnell, wie die Wut aufkommt, so schnell vergeht sie aber auch wieder, wie ein tobender Sturm, der rasch wieder abflaut. Man sollte sich allerdings davor hüten, einem Belladonna-Patienten während seines Wutanfalls mit guten Ratschlägen zu kommen - mag es noch so gut gemeint sein, es wird ihn erst recht verrückt machen und zu noch schlimmeren Ausbrüchen führen.

Wegen ihres starken Charakters neigen Belladonna-Menschen nicht zu Ängsten und Befürchtungen. Gelegentlich kann es zu Angst um die eigene Gesundheit kommen, vor allem vor Krebs, die aber durch die Versicherung des Arztes schnell besänftigt wird und bald wieder vergessen ist. Auch Furcht vor dem Tod oder vor der Dunkelheit kann in seltenen Fällen auftreten. Die bekannteste Belladonna-Furcht ist natürlich die vor Hunden (und allgemein vor Tieren). Und auf Grund ihrer lebhaften Phantasie ist es nicht verwunderlich, daß Belladonna-Patienten sich vor eingebildeten Dingen (eben z.B. schwarzen Hunden) fürchten. Ängste können auch in einer Menschenmenge und während der Regel auftreten; bisweilen alternieren Angst- und Wutanfälle. Insgesamt kommt jedoch den Ängsten bei Belladonna-Fällen keine sehr große Bedeutung zu.

Angst vor Hunden (einziges 4-wertiges Mittel! 3-wertig: CHINA, STRAMONIUM).

Zorn mit rotem Gesicht (einziges 4-wertiges Mittel! 3-wertig: CHAMOMILLA, NUX VOMICA).

Empfindlich gegen Licht (einziges 4-wertiges Mittel! 3-wertig: NUX VOMICA, PHOSPHORUS).

Möchte Dinge anzünden (4) (weiters 4-wertig: HEPAR SULPHURIS).

Vorahnung des Todes (3) (weiters 3-wertig: ACONITUM, APIS, MERCURIUS SOLUBILIS, 2-wertig: ARSENICUM ALBUM).

Versucht zu Fliehen (einziges 4-wertiges Mittel! 3-wertig: HYOSCYAMUS).

ALLGEMEINE SYMPTOME:

Kaltwerden des Kopfes verschlechtert (4) (weiters 4-wertig: SEPIA).

CHARAKTERISTISCHE SYMPTOME: (Schema Kopf zu Fuß)

KOPF:

Klopfendes, hämmerndes Kopfweh, besonder in den Schläfen; schlimmer durch Bewegung; besser durch Lösen der Haare, Auflegen der Hand auf den Kopf, Rückwärtsbiegen des Kopfes. Gefühl im Gehirn wie Schwappen von Wasser. [Bei jedem Schritt ist es], als senke und hebe sich das Gehirn in der Stirn. Kältegefühl im Gehirn, in der Mitte des Stirn. Schwindel, schlimmer beim Bücken sowie beim Aufrichten vom Bücken. Sonnenstich. Hydrozephalus, bohrt den Kopf ins Kissen. Meningitis. Rollt den Kopf hin und her. Zieht sich [oder die Umstehenden] an den Haaren. Haare gespalten, trocken, ausfallend. Schmerzen breiten sich vom Kopf nach unten aus. Kopf empfindlich gegen Zugluft und Kälte, gegen Haare Waschen.

Rollen des Kopfes (4) (weiters 4-wertig: TUBERCULINUM; 3-wertig: STRAMONIUM, SULPHUR, TARENTULA HISPANICA).

AUGEN:

Pupillen erweiter. Augen glänzend, funkend, hervorgetreten, stierer Blick. Bindehaut gerötet. Exophthalmus. Feuererscheinung, lebhafte Gesichtstäuschungen, oft von roter Farbe; selbst bei geschlossenen Augen. Rote Lichtblitze vor den Augen. Anfälle von Blindheit, dann Gelbsehen. Lichtscheu: Photomanie (einziges 4-wertiges Mittel! 3-wertig: GELSEMIUM, STRAMONIUM). Doppeltsehen. [Vielfachsehen.] Blindheit bei Mondlicht, Nachtblindheit. Gefühl, als ob die Augen halb geschlossen wären. [Ein lästiges Gefühl, als hinge das rechte Augenlied gelähmt herab.] Augenlider: wie wund, kongestioniert, geschwollen. Tränen der Augen, sehr salzig, wie Salzlake. Beim Lesen hüpfen die Zeilen.

OHREN:

Ohrenschmerz bis zum Delirium; Kind schreit laut im Schlaf. Mittelohrentzündung. Autophonie: hörtdie eigene Stimme im Ohr. Othämatom. Ohrgeräusche.

NASE:

Rot; geschwollen. Eingebildete Gerüche; Geruch von Tabakrauch unerträglich. Nasenbluten, bei gerötetem Gesicht.

GESICHT:

Feuerrot; turgeszent und heiß; oder abwechselnd blass und rot. Rotes Gesicht bei Zorn (4).
Halbseitige Anschwellung des Gesichts. Krampfhaftes Verziehen des Mundes (Risus sardonicus). Trismus. Krampfhafte Bewegungen der Gesichtsmuskeln. Gesichtsneuralgie, mit Zuckungen der Gesichtsmuskeln und gerötetem Gesicht. Es ist, als ob der Unterkiefer zurückgezogen wäre [das Vorziehen verursacht große, das Beißen ungeheure Schmerzen].
Grimmiger Gesichtsausdruck (einziges 4-wertiges Mittel!).

MUND:

Trocken, heiß. Zunge rot, heiß, geschwollen. Erdbeerzunge. Zungenränder rot [bei weißer Mitte]. [Oder:] Roter Streifen in der Zungenmitte, verbreitert sich zur Spitze hin. Gefühl von Kälte und Trockenheit auf der vorderen Hälfte der Zunge. Zunge hängt zum Mund heraus (Kinder). Zähneknirschen. Zahnschmerzen, besser [?]**durch Beißen. Kaubewegung des Mundes, oder Bewegung wie beim Saugen. Stammelnde Sprache. Heißer Atem.

** - So von Bogner übernommen. Es ist aber wahrscheinlich, dass das Gegenteil korrekt ist: Verschlimmerung der Zahnschmerzen durch Kauen, Beißen Berührung. Vgl. etwa folgendes Symptom aus der Reinen Arzneimittellehre: "Zähne beim Beißen schmerzhaft, als wenn die Wurzeln geschwürig wären und gleich abbrechen wollten."

HALS:

Trocken, heiß. Tonsillen vergrößert. Mandelentzündung, schlimmer recht. Drang zum Schlucken, mit Erstickungsgefühl [es war, als wenn er ersticken sollte, wenn er nicht schluckte]. Hals wie zusammengezogen. Schlucken beschwerlich; trinkt in kleinen Schlucken. Kann feste Speisen nur unter beständiger Flüssigkeitsaufnahme hinunterwürgen. Beim Schlucken beugt er den Kopf nach vorn und hebt die Knie. Greift sich an den Hals, bei epileptischen Anfällen.

BRUST:

ABDOMEN:

Aufgetrieben, heiß, [Schmerzen] schlimmer selbst durch die Berührung der Bettdecke. Schneidender Schmerz in der Magengrube, nötigt zum Rückwärtsbiegen des Körpers. Colon transversum aufgetrieben, tritt wulstartig hervor, bei abdominellen Kollikschmerzen. Bauchkrämpfe und Kolikschmerzen, als würde eine Stelle im Unterleib von einer Hand [mit den Nägeln] gepackt. Scharfer Schmerz in der Milzgegend, schlimmer durch Niesen, Husten, Berührung. Greifender Schmerz um den Nabel herum. Abwärtsdrängen im Abdomen, als ob alle Eingeweide zu den Geschlechtsteilen herauskommen wollten. Hämorrhoiden, mit Rückenschmerzen, als sollte der Rücken zerbrechen. Akuter Analprolaps.

MAGEN:

Verlangen nach Limonade oder nach Zitronen (die gut bekommen). Widerwille gegen Fleischspeisen, Saures, Kaffee, Milch, Bier. Erbricht alles Gegessene, ist blass und schwach. Großer Durst auf kaltes Wasser. [Aber:] "Alles Getränke ekelt sie an." Krampfhafter Schluckauf, mit Schweiß; mit Konvulsionen. Schmerz im Magen, erstreckt sich zur Schulter und zum Hals, schlimmer durch Druck.

STUHL UND ANUS:

Akuter Analprolaps. Stühle: grün, ruhrartig, oder kalkweiße Klumpen enthaltend. Unwillkürlicher Abgang von Stuhl.

HARNORGANE:

Unwillkürlicher Harnabgang, im Liegen oder im Stehen; oder auch nachts, oder tagsüber im Schlaf. Harnverhaltung: bei Sphinkterlähmung; postpartal. Feuriger, roter Urin; öfter Lassen vielen Urins. [Idiopathische] Hämaturie, wenn kein pathologischer Befund festzustellen ist. Empfinden von Winden und Drehen der Blase, wie von einem großen Wurm, ohne Harndrang.

MÄNNLICHE GENITALIEN:

Hoden: hart, aufwärts gezogen, entzündet. Schweiß der Geschlechtsteile. Weicher schmerzloser Knoten an der Eichel.

WEIBLICHE GENITALIEN:

Monatsblutung: von hellroter Farbe, mit Koagula; zu früh, zu stark, heiß, schwallartig; übel riechend. Ausfluss, mit Bauchweh. Metritis. Rigidität des Muttermunds. Nützlich bei Geburten von Frauen, die ihr erstes Kind relativ spät im Leben bekommen. Heftiges Drängen nach den Geschlechtsteilen, als wollte da alles herausfallen, besser beim Stehen und Geradesitzen, schlimmer im Liegen. Mastitis: klopfender Schmerz, Rötung, rote Streifen breiten sich strahlenförmig von den Brustwarzen aus. Mammae schwer, hart, rot. Lochien: vermindert, heiß, übel riechend. Wehen kommen plötzlich und hören ebenso plötzlich auf; setzen aus.

ATEMWEGE:

Kitzelhusten, kurz, trocken, schlimmer nachts. Kehlkopf sehr schmerzhaft, mit Fremdkörpergefühl in der Luftröhre, beim Husten. Husten erregt durch feinen Staub in der Luft. Kind weint, unmittelbar bevor es hustet. Keuchhusten, mit Magenschmerzen vor dem Anfall; mit Hämoptysis. Husten, erregt durch Gähnen. Bellender Husten, oder bellt wie ein Hund. Helle, "piepige" Stimme. Cheyne-Stokes-Atmung. Stöhnen bei jedem Atemzug. Schwere, kurze, schnelle Atmung. Asthma bei feuchtwarmen Wetter.

HERZ UND PULS:

Klopfen der Karotiden und Schläfenarterien. Puls voll, hart, prall. Heftiges Herzklopfen, mit schwierigem Atmen. Glucksen in der Herzregion. ["Wenn sie die Treppen steigt, glukst das Herz, eine Art Herzklopfen."]

ÄUSSERER HALS UND RÜCKEN:

Steifheit von Hals und Schulter (rechtsseitig). Geschwollene Lymphknoten im Nacken. Schmerz, als sollte das Rückgrat zerbrechen. Lumbago, mit Schmerz in Hüften und Oberschenkeln.
Äußerer Hals: rote Flecken (einziges 4-wertiges Mittel! 3-wertig: SEPIA).

EXTREMITÄTEN:

Zuckungen oder Krämpfe in den Gliedmaßen. Gelenke geschwollen, glänzendrot; mit strahlenförmig sich ausbreitenden roten Streifen. Schwere- und Lahmheitsgefühl in den Gliedmaßen. Kalte Extremitäten. Unwillkürliches hinken. Phlegmasia alba dolens. Gliederzittern. Schwäche und taumelnder Gang, "unfester Tritt". Liegt oder sitzt mit gekreuzten Beinen, kann sie nicht "entkreuzen".

OBERE EXTREMITÄTEN:

UNTERE EXTREMITÄTEN:

HAUT:

Hellrot, glänzend. Trocken und heiß. Abwechselnde Blässe und Röte der Haut. Massive Dermatitis. Scharlach. Erysipel. Furunkel, jedes Frühjahr wiederkommend.

SCHLAF:

Schläfrig, aber kann nicht schlafen. Stöhnt im Schlaf, wirft sich herum. Zuckungen im Schlaf. Schläft mit den Händen unter dem Kopf ** Tiefer Schlaf, mit heißer Haut.

Träume: Fürchterliche Träume von Zank, Feuersgefahr, Räubern, Mördern. Schreckliche Visionen beim Schließen der Augen.

** Von Boericke übernommen. Wahrscheinlich ist gemeint: auf dem Bauch, mit den Händen unter dem Kinn. Vgl. dieses Symptom aus Henckes Sammlung: "Legt sich auf den Bauch, den Kopf zurückgebogen und das Kinn auf die Hände gestützt."

FIEBER:

Hohes Fieber bei relativ geringer Toxämie. Gefühl innerlicher Kälte, bei äußerer stechender, brennender, dampfender Hitze. Heißer Kopf, kalte Glieder. Haut heiß; jedoch abwechselnd feucht und trocken. Kein Durst in der Fieberhitze.

BESONDERE HINWEISE:

Belladonna gilt als wichtiges Mittel bei akuten Kinderkrankheiten.

VERWANDTE MITTEL:

ACONITUM NAPELLUS, APIS MELLIFICA, BRYONIA ALBA

KOMPLEMENTÄRMITTEL/ERGÄNZUNGSMITTEL:

CALCIUM CARBONICUM

KOLLATERALMITTEL/VERGLEICHSMITTEL:

ACONITUM NAPELLUS, APIS MELLIFICA, BRYONIA ALBA, GLONOINUM, LACHESIS MUTA, LYCOPODIUM CLAVATIUM, MELILOTUS OFFICINALIS, PULSATILLA PRATENSIS, PALLADIUM METALLICUM;

ANTIDOTE:

ES ANTIDOTIERT:

QUELLEN:

Morrison, Roger: Handbuch der homöopathischen Leitsymptome und Bestätigungssymptome, Kai Kröger Verlag, Groß Wittensee, 2. Auflage, 1997
Roger van Zandvoort: Complete Repertory, Similimum Verlag, 2000
Radar 9, Archibel
S.R. Phatak: Homöopathische Arzneimittellehre, 3. überarbeitete Auflage, ISBN 3-437-56861-2
Wischner, Matthias: Materia medica für Anfänger, KVC Verlag, Essen, 2005
C.M. Boger: Synoptik Key; Similimum-Verlag; ISBN 3-930256-30-4


Die wichtigsten Sammlungen von Prüfungs- und Vergiftungssymptome in Hahnemanns Reine Arzneimittellehre sowie in Henckes umfangreicher Zusammenfassung (HVJ, Band16).

LINKS:

Hahnemann, Samuel: Reine Arzneimittellehre, Teil 1
Taxonomie: http://www.provings.info/substanz.html?substanz=Atropa%A0belladonna/%20Belladonna&proving=show