Materia medica

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An die fleißigen Materia medica-Lernenden!


Einleitung

Das Arzneimittelstudium und dadurch gute Kenntnis der Materia medica ist eine der wichtigsten Säulen erfolgreicher homöopathischer Praxis. Darauf weist schon Hahnemann an vielen Stellen im Organon (zB § 3), in den chronischen Krankheiten und auch in der Reinen Arzneimittellehre hin. Andererseits ist mangelnde und fehlerhafte Materia medica-Kenntnis eine der wichtigsten Quellen für Versagen in der homöopathischen Arbeit. Dieser Artikel will Euch Hilfestellung für Euer Studium - alleine und in Gruppen - bieten erfolgreich an die Sache heranzugehen!

Die Materia-medica-Literatur ist riesig und es ist unmöglich sich alle Informationen – wenn auch nur von 30 der wichtigsten Arzneimittel zu merken.

Wie also soll man sich nun an das Materia medica-Studium (MMS) heranwagen – sodass es spannend, effizient und praxis-relevant ist?

Da Menschen in ihrem Lernverhalten unterschiedlich sind, kann es auf diese Fragen nicht nur eine richtige Antwort geben. Allerdings haben sich die homöopathischen LehrerInnen (z.B. GHG Jahr, CM von Bönninghausen, C Hering, A. Lippe, C Dunham, E Nash, etc.....) seit dem Beginn der Homöopathie Gedanken gemacht, wie man möglichst gut MM studieren kann und das auch mit ihren SchülerInnen erprobt.

Andererseits findet man immer wieder in der Literatur und auch im Gespräch mit erfolgreichen Homöopathen Hinweise, welche Fallstricke beim MMS auftauchen. Viele Homöopathen weisen darauf hin, dass man das MMS auch falsch machen kann – sodass man sich entweder falsche oder unbrauchbare Informationen über die Arzneimittel einprägt.

Ich selbst habe ca. 6 Jahre lang Materia medica auf Arten und Weisen gelernt, wie ich sie mir a) nicht merken konnte und b) keine wirkliche Hilfe war in der Praxis – und um Euch vielleicht ein bisschen davon zu ersparen, schreibe ich diesen Text.


Zielsetzungen – Oder der Überraschungseier-Effekt

Spannendes, effizientes und praxis-relevantes Materia medica-Studium in bewältigbaren Portionen. Also - Spannung, Spiel und Schokolade – wie bei der Kinderüberraschung.

Lösungswege wichtiger homöopathischer Lehrer

Es fanden sich bei einer Literatur-Recherche zu diesem Thema doch einige Texte, die mir bis dato nicht bekannt waren und die Aufschluß geben über mögliche Wege des MMS aber auch über wichtige Literatur und Wichtigkeiten beim MMS.

Texte zum Thema „Wie soll man Materia medica“ lernen – fand ich bei:

  • CM Bönninghausen – Vorwort zum Therapeutischen Taschenbuch (z.B. Revidierte Auflage 2000, Verlag Sonntag)
  • GHG Jahr – „Lehren und Grundsätze der gesamten theoretischen und praktischen homöopathischen Heilkunst“ – S. 194 f - (z.B. Verlag Homöopathisches Wissen, 1998)
  • Constantin Hering – „On the Study of Materia Medica“ Britsh Journal of Homeopathy Vol. II, 1844 , no. 7– fehlt link-siehe text - wholehealthnow
  • Carrol Dunham – „The study of Materia medica“, 1853 (im Anhang)
  • W. Yingling – „Materia medica study“ 1891 – z.B. unter: http://www.homeoint.org/cazalet/yingling/mmstudy.htm
  • J.H. Clarke – „How homeopathy cures – „The spirit of the homeopathic materia medica“ 1935 - z.B. unter: http://www.homeoint.org/hompath/articles/269.html
  • J.Green – „Methods of Studying Materia medica“ 1947z.B. unter: http://www.homeoint.org/cazalet/green/studyingmm.htm
  • E. Nash – „How shall we teach Materia Medica and Therapeutics“z.B. unter: http://www.homeoint.org/cazalet/nash/teach.htm


Praxis-Relevanz

Bei meinem eigenen MMS stellt sich immer wieder die Frage, welche Informationen eines Arzneimittels soll ich mir einprägen. Welche sind wirklich wichtig? Und was von einem Arzneimittel muss in einem Patienten-Fall vorhanden sein – und was nicht?

Was ist wenn ein Patient seine Symptome alle links-seitig hat und der Rest scheint zu Lycopodium zu passen? Was ist wenn die Symptome auf Silicea deuten, aber der Patient nicht frostig ist? Kann es Sepia sein auch wenn die Patientin keinen Bezug zu Bewegung hat? – Das alles sind Fragen, die sich in der Praxis stellen und auf die wir gute Antworten brauchen, um homöopathisch effizient arbeiten zu können.

Was mir dabei hilft, sind folgende Dinge:

  1. Welche Details eines Mittels in Fall sein sollen/müssen – hängt oft von jeweiligen Erkrankung bzw. von der Kombination von Symptomen ab. Bsp. Suizidalität kommt bei Medorrhinum v.a. in der Kombination mit Fieber vor. Das Ballgefühl im Rektum bei Sepia – tritt v.a. in Kombination mit Gebärmutter-Senkungsbeschwerden auf und wird hier für die Verschreibung zentral.
  2. Das Lesen und Durcharbeiten von Patienten-Fällen (seriöser Quellen!!!!) – hilft mir Erfahrung zu sammeln, welche Symptome eines Mittels in einem konkreten Fall vorhanden waren, um den Fall zu lösen. Auch erfahre ich dadurch, welche Symptome nicht notwendig sind für eine erfolgreiche Verschreibung eines bestimmten Mittels. Außerdem verbindet sich so das MMS mit dem Training von Fallanalyse, Repertorisation und Differentialdiagnostik der Arzneimittel.

Große Fallsammlungen v.a. aus der alten Literatur finden sich z.B. bei:

Bestimmte Materia medica-Quellen geben speziell Auskunft über Symptomenkomplexe, die für ein Arzneimittel bei einer bestimmten Erkrankung typisch sind:

  • V.a. E. Farrington – „Klinische homöopathische Arzneimittellehre“;
  • C. Hering – „Leitsymptome der homöopathischen Materia medica“

Tjado Galic empiehlt hier für das Materia medica-Studium die genaue Analyse eigener geheilter Patienten-Fälle mit Revision der verwendeten Repertoriums-Rubriken und Analyse wo sich die verschiedenen Arzneimittel einer Rubrik – in der Materia medica unterscheiden. Das Ziel ist hier effizient – bei den Erkrankungsfällen, die in unsere Praxis kommen – sicher zwischen verschiedenen Arzneimitteln differenzieren zu können. Das heißt ich präge mir nicht ein, wie ich Mittel für Cholera differenzieren kann, wenn ich keine Cholera-Fälle in meiner Praxis habe – sondern ich lerne die Mittel zu erkennen und differenzieren, wie sie sich z.B. bei Neurodermitis darstellen. (eigene Seminarnotiz München 4/2010). Ein Vorteil dieser Methode ist auch, dass man sich Details von Patienten, die man selbst erlebt hat, oft viel besser einprägen kann.

Allgemein möchte ich noch sagen: Nur wenn wir die Arzneimittel so lernen, wie wir sie praktisch mit PatientInnen brauchen, hat das MMS aus meiner Sicht Sinn!

Ad Effizienz

Das reine Durchlesen von Symptomen aus einer Materia Medica der Wahl und auch das folgende Besprechen dieser Symptome - Kopf zu Fuß – hatte für mich sehr schlechte Effizienz und viele andere berichten mir ähnliches. Es bleibt wenig im Gedächtnis hängen und noch dazu so ungeordnet, dass es vielfach in der (späteren) Praxis nicht weiterhilft. Allerdings betreiben tausende Homöopathie-Lernende noch immer so ihr MMS.

Welche Lernstrategie(n) individuell effizient sind – variiert lt. diversen Lernforschen stark. Wo sich die meisten einig sind – Die Vernetzung von bereits vorhandenem Wissen mit neuem Wissen trägt enorm zur Lerneffizienz bei. Anleitung wie dies beim MMS umgesetzt werden kann, finden sich bei A. Lippe, C. Hering, etc....... – Hier wird empfohlen nacheinander in wichtigen Punkten ähnliche Arzneimittel zu studieren und dabei gleich zu differenzieren, wo die Arzneimittel sich ähnlich bzw. gleich sind und wo sie sich unterscheiden.


Was sich empfiehlt, – egal welche Lernstrategie man ausprobiert/wählt - ist mit zeitlichem Abstand sich selbst zu überprüfen, welche Informationen über ein Arzneimittel über längere Zeit auch hängen geblieben sind. So kann man individuell feststellen, ob man auf einem effizienten Weg ist oder nicht – und dann die Lernstrategie möglichst frühzeitig zu optimieren


Ad Spannung

Was ein Mensch spannend findet hat große Spannbreite – auch beim MMS. Manche finden das Betrachten von Bildern der Substanz, Kunstwerke, Fabeln – spannend. Andere fasziniert das Lesen der Prüfungssymptome und der Suche zu welchen Krankheiten dieses Arzneimittel aufgrund dieser Symptome passen könnte. Andere finden das Lesen von Abhandlungen über die Psycho-Strukturen am spannendsten – und v. a. auch das Vergleichen - welches Arzneimittel zu mir, dem Freund, der Mutter oder dem Nachbarn passen würde. Diese psychologischen Abhandlungen sind in der Homöopathie v. a. in den letzten 20-30 Jahren extrem beliebt geworden – und sind für viele sicher interessanter als das Vertiefen in Stuhlfarben, - konsistenz und allerhand fauliger Geruchsnuancen. Allerdings zeigt sich in der Praxis oft, dass diese psychologischen Modelle häufig in der Praxis nicht effizient weiterhelfen oder sogar in die Irre führen. Das Studium von Fällen hilft auch hier weiter!


Wichtig: Wenn das MMS für mich nicht spannend und lustvoll ist, dann: 1) Tue ich es wenig bis gar nicht. 2) Bleibt viel weniger hängen. 3) Ist das MMS ziemlich mühsam. 4) Habe ich immer noch die Chance mir einen Weg zu suchen, wie es spannend und lustvoll wird.


Schluss

Zum Schluss noch ein paar allgemeine Tipps:

Was verbindet unter anderem - Hahnemann, Bönninghausen, Jahr, Hering, Lippe, JH Allen, Clarke, Boger, Kent, ?

  1. Sie haben alle – unter anderem - die Primäre Materia medica (= Arzneimittel-prüfungen) studiert und Wege gefunden sich wichtige Informationen daraus gut einzuprägen.
  2. Sie alle sind der Meinung, dass vernetzendes Materia medica-Studium wichtig ist.

Symptome von Menschen im Alltag zu beobachten und im Repertorium und der Materia medica zu suchen – kann viel Spaß machen!

Verwendet Materia medica-Quellen, die zuverlässig sind!

Für mich wertvolle Materia medica-Literatur:

  • TF Allen – „Encyclopedia of Pure Materia medica“
  • CM Boger – „Synoptic Key“ (Hrsg. Jens Ahlbrecht)
  • JH Clarke „Praktische Materia medica“
  • E Farrington - „Klinische homöopathische Arzneimittellehre“ (Wichtig – Übersetzung von A.Seideneder!)
  • C Hering – „Leitsymptome der homöopathischen Materia medica“
  • C Hering – „Kurzgefasste Materia medica“
  • JT Kent – „Arzneimittelbilder“ (wichtig neue Übersetzung!)
  • E Nash - „Leitsymptome in der homöopathischen Therapie“
  • SR Phatak – „Homöopathische Arzneimittellehre“
  • A. Seideneder – „Heilmittelarchiv“
  • E Tyler – „Homöopathische Arzneimittelbilder“
  • F Vermeulen – „Konkordanz der Materia Medica“


In diesem Sinn wünsche ich Euch gutes Gelingen beim Materia medica Studium und beim Beackern der Homeowiki!


Dr. Tom Vogel